Einleitung 7 Andreas Kranebitter/Christian Fleck Elmer Luchterhands Forschungen zu national- sozialistischen Konzentrationslagern. Eine Einleitung Die Befreiung des KZ Hersbruck: Luchterhand als Nachrichtenofizier der U.S. Army „Am 20. April 1945, während die wahrhat Gläubigen Hitlers an seinem Geburtstag die Radiogeräte anschalteten, um zu hören, was die letzte Live-Übertragung seiner Stimme sein würde, bewegte sich ein amerikanisches Infanterieregiment – mein Regiment – schmerzlos durch das Marktstädtchen Hersbruck. Vor den Toren der Stadt kamen wir – ohne es als sol- ches zu erkennen und beinahe ohne es zu sehen – an einem Konzentrationslager vorbei. Es bestand aus lediglich 20 Baracken und einigen Nebengebäuden, allesamt leerstehend. Etwa fünf Kilometer entfernt entdeckten Soldaten einer anderen Einheit meines Regi- ments etwas Interessanteres. Es war ein weitläuiges Tunnelnetz in einem Hügel. In einem der Tunnels, mit Beton ausgekleidet und groß genug, um zwei Lokomotiven in voller Größe ne- beneinander zu fassen, standen komplizierte, neue Maschinen. Sie waren risch gestrichen und standen da, versperrt in ihrem hölzernen Gehäuse, in dem sie aus deutschen Fabriken geliefert worden waren – am Talboden ein organisiertes Chaos von leeren Kisten, Bauma- schinen und Baumaterial. Plötzlich näherte sich ein Mann. Er kam aus dem Haupttunnel und stellte sich den anwe- senden amerikanischen Oizieren als belgischer Kriegsgefangener der Nazis vor. Er war tat- sächlich Belgier, und auch ein Gefangener. In einer kurzen Vernehmung gab er einige Stun- den später einen im Wesentlichen zutrefenden Bericht über das Bauprojekt, die Behandlung der Konzentrationslagerhätlinge und die Zahl der Toten. Er zeigte auf die Baracken eines anderen Lagers in der Nähe und auf das dortige Krematorium. Der Mann, dessen Name Anton Swaelens war, deutete auf eine Straße auf der anderen Seite des Tals. Etwa fünf Kilometer weiter vorne, an einer Waldkuppe knapp neben der Straße, würde sich ein Scheiterhaufen beinden, so erklärte Swaelens, wo der Überschuss über die Kapazitäten des nahen Krematoriums verbrannt wurde. Am rühen Abend desselben Tages, während der Scheiterhaufen und seine unmittelbare Umgebung untersucht wurden, gab es einen plötzlichen Regenguss und Gewittersturm. Als Regen, Blitz und Donner am schlimmsten waren, kam es zu einer zweiten seltsamen Begeg- nung. Ein zwölf- oder dreizehnjähriges Mädchen iel erschöpt in den Schlamm, ganz in der Nähe von dem Platz, an dem mein Fahrer und ich in Regenkleidung abwarteten, bis sich der