»Tansanier mögen keine unversehrten Sachen« Reparaturen und ihre Spuren an alten Schuhen in Daressalam, Tansania Alexis Malefakis e inleitung In Daressalam, Tansania, sind gebrauchte Schuhe aus Europa, den USA und Asien bei vielen Konsumenten beliebt. Tausende von Händlern auf den Märkten und Stra- ßen der Stadt leben vom Verkauf der Secondhand-Ware, die zum Großteil aus den Altkleidersammlungen der reicheren Industrienationen stammt. Doch bevor sie den Kunden auf den Straßen angeboten werden können, müssen die Schuhe gewaschen, repariert und aufpoliert werden. Eine Gruppe von männlichen Schuhhändlern, 1 mit der ich zwischen 2011 und 2013 fünfzehn Monate gearbeitet und geforscht habe, hatte sich für diese Arbeit in einem Hinterhof der Innenstadt ihren kijiweni, ihren Treffpunkt und Arbeitsplatz eingerichtet (vgl. Abb. 1). Bei ihrer Kundschaft war die gebrauchte Ware oft beliebter als neue Schuhe, die häuig aus China importiert waren und im Ruf standen, zwar günstig, aber von minderer Qualität zu sein. Wenn die Schuhhändler im Hinterhof die alten Schuhe also wuschen, reparierten und auf- polierten, taten sie das nicht, um die Gebrauchsspuren zu vertuschen. Im Gegenteil: Gebrauchsspuren und die Spuren ihrer Reparaturarbeiten an den Schuhen wurden als Zeichen ihrer Herkunft und Qualität belassen und in manchen Fällen sogar be- tont oder vorgetäuscht. Denn, so erklärte mir einer der Schuhhändler während mei- ner Forschung: »Was bei euch in Europa alt ist, ist hier noch neu.« 1 In Daressalam sorgen auch viele Frauen selbst-organisiert für sich und ihre Familien. Während männliche Stadtbewohner häuig ohne Arbeitsverträge nach europäischem Vorbild als Bauarbeiter und Handwerker, im Transportwesen oder durch den Verkauf von elektronischen Geräten, Haushaltswaren oder eben Kleidung Geld verdienen, ver- kaufen Frauen häuig selbst zubereitete Lebensmittel und Speisen.