R. Lipczuk, M. Lisiecka-Czop, K.H. Ramers (2017): Sprache und Wörterbücher in Theorie und Praxis. Verlag Dr Kovac, 193-212. ANNA SULIKOWSKA (Szczecin) Zur Konstituierung der phraseologischen Bedeutung aus der Perspektive der Kognitiven Linguistik – eine Fallstudie Als eins der wichtigsten und zugleich schwierigsten Probleme der Phraseogra- phie gilt die Erfassung der Bedeutung von Phraseologismen (=PH), insbesonde- re der PH im engeren Sinne (Idiome). Die Semantik der Idiome wird als kom- plexer als die Semantik der Einwortlexeme angesehen ( ČERNYŠEVA 1980: 44). „Damit ist, in der Terminologie der Sem-Analyse, gemeint, dass der Phraseolo- gismus neben dem semantischen Kern über mehr differenzierende und konkreti- sierende Seme verfügt als ein (semantisch vergleichbares) Wort“ (BURGER 2010: 78). In der einschlägigen Literatur spricht man in diesem Kontext von der Am- biguität und Vagheit der Idiome, oft tauchen auch Begriffe wie semantische Po- tenzen (BURGER 2010, PALM 1989), semantischer Mehrwert (GRÉCIANO 1982) der Phraseologismen auf. Hinzu kommt die Leichtigkeit, mit der sekundäre Me- taphorisierungen in der Phraseologie möglich sind ( BURGER 2010: 76) sowie das Problem der Grenzziehung zwischen dem (noch) Idiosynkratischen und dem (schon) Konventionalisierten. Im folgenden Beitrag wird ein Versuch vorgenommen, unter Einbezug des Instrumentariums der Kognitiven Linguistik am Beispiel des Idioms eine harte Nuss aufzuzeigen, auf welche kognitiven Mechanismen diese Schwierig- keiten zurückzuführen sind. Zu diesem Zweck werden zuerst die Grundprämis- sen des holistischen Ansatzes der Kognitiven Linguistik kurz umrissen, dann die Metapher, Metonymie und Metaphtonymie als wichtigste Mechanismen der Be- deutungserweiterung dargestellt. Im empirischen Teil veranschauliche ich an- hand einer korpusgestützten semantischen Untersuchung, wie sich die Bedeu- tungen des PH im authentischen Gebrauch konstituieren. 1 Bedeutungsauffassung in der Kognitiven Linguistik