Bitte nur die veröffentlichte Version zitieren. Siehe: C. Demmerling & P. Stekeler-Weithofer (Hrsg.). Sprachphilosphie. (Wörterbücher zur Sprach - und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online.) Berlin/Boston: DeGruyter 2015. 10.1515/wsk.15.0.computermodelldesgeistes Jean Moritz Müller Computermodell des Geistes computational model of the mind Theorie, die eine naturalistische Erklärung geistiger Phänomene auf der Grundlage des Computerbegriffs vorlegt. theory of mind which draws on the notion of a computer in order to offer a naturalistic account of mental phenomena. Das Computermodell des Geistes ist eine naturalistische Theorie des Mentalen, die einen Versuch darstellt, mentale Zustände als Eigenschaften rein physikalischer Systeme auszuweisen. Sie identifiziert den Geist mit einem Computer, wobei verschiedene Varianten der Theorie auf verschiedenen Lesarten des Computerbegriffs beruhen. Als Ausgangspunkt der traditionellen, auch als Computationalismusthese bekannten Version des Computermodells dient der klassische Begriff eines digitalen Computers. Er bezeichnet ein hypothetisches mathematisches Konstrukt, das die formale Präzisierung der Idee einer algorithmisch berechenbaren Funktion ermöglicht. Wie ALAN TURING in seinem Aufsatz On Computable Numbers (1936) argumentiert, besteht das wesentliche Merkmal algorithmisch berechenbarer Funktionen darin, dass sich ihre Berechnung als eine endliche Abfolge elementarer, formaler Zeichenmanipulationen beschreiben lässt. Diese elementaren Operationen seien so einfach, dass sie sich mechanisch ausführen lassen. TURING beschreibt eine hypothetische Rechenmaschine mit einem Lese- und Schreibkopf, der sich auf einem unbegrenzt langen Band mit Zeichen aus einem endlichen Alphabet schrittweise vor- und zurückbewegt und Zeichen einliest, löscht sowie neue Zeichen auf das Band schreibt. Mit diesem (als TURING-Maschine bekannten) Automaten, der Zeichen allein hinsichtlich ihrer Form bzw. Struktur verarbeitet, sei jede algorithmisch berechenbare Funktion in endlich vielen Schritten berechenbar. Ausgehend von den Überlegungen TURINGS zum Berechenbarkeitsbegriff wird als wesentliches Merkmal eines digitalen Computers gewöhnlich die automatisierte Manipulation von Symbolen nach rein formalen Regeln betrachtet. TURINGS Präzisierung des Berechenbarkeitsbegriffs entspricht eine in etwa zur gleichen Zeit formulierte Formalisierung des Begriffs durch ALONZO CHURCH (1936). Sie wird entsprechend auch als CHURCH-TURING-These sowie CHURCHS These bezeichnet, was allerdings insofern irreführend sein kann, als sich CHURCHS eigene Formalisierung nicht des Begriffs einer Rechenmaschine bedient. Eine weitere wichtige theoretische Grundlage der Computationalismusthese betrifft das Verhältnis zwischen der struktursensitiven Verarbeitung von Symbolen und den zwischen diesen bestehenden semantischen Beziehungen. So zeigt ein weiteres, klassisches Resultat der modernen Beweistheorie, dass zulässige syntaktische Ableitungen innerhalb klassischer logischer Kalküle die semantischen Beziehungen zwischen den als Prämissen bzw. Konklusion fungierenden symbolischen Formeln respektieren. Sofern die formale Logik die Formalisierung der Prinzipien logischen Schließens ermöglicht, scheint es, dass die Manipulation von Symbolen nach rein formalen Regeln im Einklang mit Rationalitätsprinzipien erfolgen kann. Dieses Resultat lässt sich insofern zu TURINGS Überlegungen zum Berechenbarkeitsbegriff in Beziehung setzen, als auch syntaktische Ableitungen innerhalb