Praehistorische Zeitschrift; 2016; 91(2): 379–430 Abhandlung Jan-Heinrich Bunnefeld* Crafting Swords. The emergence and production of full-hilted swords in the Early Nordic Bronze Age1 DOI 10.1515/pz-2016-0023 1 Zusammenfassung: Die Schwerter in Südskandinavien und Norddeutschland wurden bisher zumeist aus einem typologischen Blickwinkel betrachtet. Deshalb werden im vorliegenden Artikel die Vollgriffschwerter der älteren nordischen Bronzezeit in Dänemark und Schleswig-Hol- stein aus einer herstellungstechnischen Perspektive unter Anwendung von makro- und mikroskopischer Autopsie, Röntgenuntersuchungen, Spurenelement- und Bleiiso- topenanalysen untersucht. In Periode I kam das Schwert als Innovation über Importe von Schwertern der Gruppe Hajdúsámson-Apa nach Südskandinavien. Am Anfang imitierten nordische Handwerker diese Importe, wobei sie eine traditionelle massive Gusstechnik verwendeten. Erst im Laufe der späten Periode I wurden verschiedene Guss- techniken aus dem südlichen Mitteleuropa adaptiert und genutzt, um Stücke in Tradition der Hajdúsámson-Apa- and Valsømagle-Schwerter herzustellen. In Periode II entstan- den die charakteristischen nordischen Vollgriffschwerter, die in Form, Verzierung und Technik jeweils sehr indivi- 1 This article is based on research conducted in the project “Tech- nische Untersuchungen an älterbronzezeitlichen Vollgriffschwertern aus Dänemark und Schleswig-Holstein” (Technical research on Early Bronze Age full-hilted swords from Denmark and Schleswig-Holstein) under the direction of Prof. Dr. K.-H. Willroth (Georg-August-Univer- sität Göttingen) and funded by the Deutsche Forschungsgemein- schaft (WI 691/19–1). Furthermore, I wish to thank the National Mu- seum of Denmark (Copenhagen), Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf – Archäologisches Landesmuseum (Schleswig), Moesgård Museum (Aarhus), Museum Sønderjylland (Haderslev) and Roskilde Museum (Roskilde) for their help and hospitality. X-rays were provided by the Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz or made by Moesgård Museum, Skive Mu- seum, Museum Sønderjylland, Force Technology (Brøndby) and Yxlon International (Hamburg). Metal analyses were conducted by the Curt-Engelhorn-Centre Archaeometry (Mannheim). I wish to sin- cerely thank all the persons involved. Last but not least, I thank M. I. Sebire (Leiden) for improving my English. duell ausfallen. Höchstwahrscheinlich wurden sie in einer größeren Anzahl von Werkstätten produziert; in manchen Fällen ist es sogar möglich, mehrere Schwerter einem Werkstattkreis, einer Werkstatt oder gar einem Handwer- ker zuzuordnen. In Periode III waren die nordischen Voll- griffschwerter dann sehr viel standardisierter, wurden aber dennoch wohl nicht in einer Werkstatt hergestellt. Die Ent- wicklung der Schwerter zeigt insgesamt eine Tendenz von einer großen Vielfalt bei Formen, Verzierungen und Tech- niken hin zu stärker gleichförmigen Objekten, die auch an anderen Fundgruppen zu beobachten ist. In jedem Fall demonstriert der nordische Kreis seit der späten Periode I und frühen Periode II eine eigene Identität, Metallverar- beitungs- und Schwertherstellungstradition. Sowohl die Vielfalt in Periode II als auch die Uniformität in Periode III deuten auf intensive Kommunikation und Mobilität von Handwerkern und Schwertträgern hin. Dabei wird der Ein- fluss von Abstammungsgruppen und Verwandtschaft hin- sichtlich der Organisation des sicherlich institutionalisier- ten Metallhandwerks betont, während die angenommene enge Kontrolle der Produktion durch eine Elite angezwei- felt wird. Ungeachtet unterschiedlicher Fähigkeiten und Kompetenzen existieren keine Hinweise auf eine bedeut- same persönliche Identität als Metallhandwerker in der Gesellschaft der älteren nordischen Bronzezeit. Schlüsselworte: Bronzezeit; Nordischer Kreis; Dänemark; Schleswig-Holstein; Schwerter; Dolche; Röntgenuntersu- chungen; Metallanalysen; Metallhandwerk; Werkstätten; Herstellungstechnik Résumé: Les épées du sud de la Scandinavie et de l’Alle- magne du nord ont jusqu’à présent surtout été étudiées dans une perspective typologique. Ici nous proposons d’examiner les épées à poignées solides du l’âge du Bronze ancien au Danemark et dans le Schleswig-Holstein du point de vue technique en combinant des analyses macroscopiques et microscopiques, des analyses radio- graphiques et des études sur les oligoéléments et sur les isotopes de plomb présents dans les métaux. Dans une première phase (période I) les épées, une innovation en Scandinavie du sud, arrivèrent comme importations *Corresponding author: Jan-Heinrich Bunnefeld, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Landesmuseum für Vorgeschichte, Richard-Wagner-Straße 9, 06114 Halle (Saale). E-Mail: jan-heinrich.bunnefeld@gmx.de Angemeldet | jan-heinrich.bunnefeld@gmx.de Autorenexemplar Heruntergeladen am | 30.11.16 19:37