311 Trialog: Implizite und explizite Menschenbilder Friederike Habermann, Stefan Meretz & Christian Siefkes Warum man das eigene Menschenbild explizit machen sollte – und warum es lieber nicht so detailliert sein sollte Christian Siefkes Wer darüber spricht oder nachdenkt, wie die Gesellschaf organisiert sein könn- te oder sollte, beschäfigt sich dabei zwangsläufg damit, wie sich Menschen un- ter anderen Umständen mutmaßlich verhalten würden. Sofern man sich dabei nicht auf den heutigen Zustand oder auf früher oder anderswo existierende Ver- hältnisse beschränken will, kommt man mit empirischen Beobachtungen nicht weit. Man braucht stattdessen ein theoretisches Modell menschlichen Verhaltens, das es ermöglicht, erwartbare Verhaltensweisen auch unter heute nicht beobacht- baren Umständen vorherzusagen. Ein solches Modell menschlichen Verhaltens entspricht ungefähr dem, was alltagssprachlich als „Menschenbild“ bezeichnet wird, daher werde ich diesen kürzeren Begrif gebrauchen. Wenn man Aussagen über menschliches Verhalten in einem vorgestellten Sze- nario macht, braucht man somit immer ein Menschenbild, wenn man mehr als „weiß nicht“ sagen möchte. Wichtig sind dabei zwei Dinge: 1) Man sollte das eigene Menschenbild explizit machen, statt es nur implizit mit- schwingen zu lassen. 2) Idealerweise sollte das der eigenen Argumentation zugrunde liegende Men- schenbild nicht allzu voraussetzungsreich sein. Punkt (1) ist wichtig, weil man sonst das Publikum bzw. Gegenüber verwirrt und frustriert zurücklässt. Bei einem nur impliziten Menschenbild wird man of auf Reaktionen wie „die Menschen sind aber nicht so“ oder „dafür brauchst du erst 11 © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 https://doi.org/10.1007/978-3-658-21706-8_11 P. Die Gesellschaft nach dem Geld (Hrsg.), Postmonetär denken,