Benedikt Paul Göcke Ein dispositionalistisches Modell göttlichen Handelns in der Welt Im Folgenden wird nach einer kurzen Reflexion über die weltanschauliche Aufga- be der Theologie die Notwendigkeit der Möglichkeit göttlichen Handelns in der Welt für die Plausibilität christlichen Glaubens herausgestellt. Danach wird der Begriff des Handelns Gottes in der Welt spezifiziert, und es werden drei wissen- schaftstheoretische Einwände gegen die Möglichkeit des Handelns Gottes analy- siert. Im Anschluss wird unter Bezug auf die analytische Wissenschaftstheorie ein dispositionalistisches Modell des Handelns Gottes in der Welt entwickelt, das die genannten Einwände entkräftet: Dem Modell zufolge handelt Gott nicht in der Welt, indem er geltende allgemeine und notwendige Naturgesetze durchbricht oder per göttlichem Fingerzeig einzelne Atome hin- und herschiebt, sondern dadurch, dass er temporär die den Naturgesetzen zugrundeliegenden Dispositio- nen natürlicher Arten ändert und auf diese Weise die von ihm intendierten Sach- verhalte bewirkt. Ich ende mit einigen Bemerkungen über die Verborgenheit des Handelns Gottes in der Welt und ihrer Bedeutung für die Plausibilität christlicher Weltanschauung. 1. Die Notwendigkeit der Möglichkeit des Handelns Gottes in der Welt Eine der primären Aufgaben der Theologie besteht darin, durch philosophische Reflexion geleitet den christlichen Glauben als rational tragbare Weltanschauung zu etablieren, die der Vernunft nicht widerspricht und zusammen mit den Er- kenntnissen der Natur- und Geisteswissenschaften ein konsistentes Gesamtbild der Wirklichkeit ergibt, welches nicht nur eine grundlegende metaphysische Inter- pretation der Wirklichkeit als Schöpfung Gottes impliziert, sondern den Gläubi-