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Das Heilsversprechen des Ackerbodens.
Raumkonzepte und Interessenkonfikte
im jüdischen Argentinien 1889–1939
Frank Wolf
Zusammenfassung
Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Baron Hirsch einen der prominentesten
Versuche, die russländischen Juden aus ihrer Armut zu führen. Die verarmten
Stadtbewohner sollten als Pioniere einer grundlegenden Erneuerung des Juden-
tums in neu entstehende jüdische Agrarkolonien nach Argentinien auswandern.
Zahlreiche dieser Kolonien scheiterten, einige bestehen bis heute, allesamt bil-
den sie den Ursprungsmythos des jüdischen Argentiniens. Dessen Langlebigkeit
ruft angesichts der numerischen und ökonomischen Schwäche der Kolonien
nach einer Erklärung. Dieser Beitrag nähert sich dem Mythos, indem er ihn als
Ergebnis eines Migrations- und Kommunikationsprozesses begreift, der mit
einer komplexen Migrationsgeschichte begann und erst später die konfliktreiche
Geschichte der jüdischen Migration mit der argentinischen Nationalgeschichte
harmonisierte. Dabei ging aber der Blick auf jene innerjüdischen Konflikte
verloren, die das Migrationsgeschehen bestimmten. Denn im Widerstreit zahl-
reicher Akteure entfaltete sich ein Migrationsregime, in dem der argentini-
sche Staat, die Migrationsorganisation ICA, die Kolonisten und die urbanen
jüdischen Gruppen sowohl das Migrationsgeschehen als auch die Bedeutung
der Kolonien aushandelten. Um das evasive Konzept eines Migrationsregimes
empirisch zu fassen, schlägt dieser Beitrag eine geschichtete Regimeanalyse
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018
J. Oltmer (Hrsg.), Migrationsregime vor Ort und lokales
Aushandeln von Migration, Migrationsgesellschaften,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-18945-7_6
F. Wolff (*)
FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Neueste Geschichte und Historische
Migrationsforschung/IMIS, Universität Osnabrück, Neuer Graben 19/21, 49069
Osnabrück, Deutschland
E-Mail: wolff.fra@gmail.com