This is the final draft of my paper for Von der Autonomie des Klangs zur Heteronomie der Musik. Musikwissenschaftliche Antworten auf Musikphilosophie, ed. by Nikolaus Urbanek and Melanie Wald-Fuhrmann Stuttgart: Metzler 2018 (Abhandlungen zur Musikwissen- schaft), 179210. Please quote only from the printed version of my text. ‚Autonomania‘ und ‚Ideology of Autonomy‘ – Die Autonomie-Diskussion in der analytischen Musikästhetik und der New Musicology Alexander Wilfing 1. Was ist analytische Kunsttheorie? – Genese, Methodik, Entwicklung Bis heute stellen Definition, Geschichte und Methodik der analytischen Kunsttheorie ein enormes Desiderat der Disziplin ‚Ästhetik‘ dar, das angesichts der beachtlichen Produktivität des englischsprachigen Ästhetikdiskurses als seltsame Leerstelle erscheinen muss. Diese Lage wird etwa durch Richard Shustermans Forderung nach einer „critical history“ der analytischen Kunstphilosophie aus dem Jahr 1994 prägnant illustriert, 1 der sich noch etwa zehn Jahre später ebenso Paul Guyer dezidiert anschloss, für den die „full-dress history“ der ästhetischen Entwicklung weiterhin ausstehe. 2 Eine relativ schlichte Trennung von ‚analytical aesthetics‘ und ‚continental aesthetics‘ – gleich jener üblichen, jedoch weitgehend irreführenden Unterscheidung von ‚analytischer‘ Philosophie und ‚kontinentaler‘ Philosophie – ist dabei wenig fruchtbar. Der Grund, wieso diese heuristische Konstruktion zur adäquaten Bestimmung der analytischen Methodologie schwerlich beisteuert, ist jeweils identisch: Analytische Philosophen – und demnach natürlich ebenfalls analytische Ästhetiker – nutzen zumeist negative Kriterien, um die eigene Position von bestehenden Richtungen abzugrenzen sowie deren wesentliche Komponenten im direkten Kontrast zum kontinentalen Philosophieren darzustellen. Dies scheint zunächst sinnvoll, da die frühe analytische Philosophie gegen einen importierten Hegelʼschen Idealismus (Bernard Bosanquet, Francis Bradley, John McTaggart) gerichtet war und folglich eine kritische Reaktion auf kontinentale Denkmuster verkörperte. 3 Doch führt diese negative Definition der analytischen Philosophie andererseits zur pauschalen 1 Shusterman, „On Analyzing Analytic Aesthetics“, S. 391. 2 Guyer, „History of Modern Aesthetics“, S. 51. 3 Hacker, „The Rise of Twentieth Century Analytic Philosophy“.