243 Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht! Kulinarik in der Eisenzeit?! Tanja Trausmuth, Mario Wallner Zusammenfassung Das konventionelle Bild von Archäologen über eisenzeitliche Ernährung wird hauptsächlich durch die gewonnenen Erkenntnisse aus archäologischen Funden, sowie durch archäobotanische und archäozoologische Analysen geprägt. Per Defnition werden Nahrungsmittel jedoch in der Regel gegessen und sind daher nicht in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Somit und aufgrund der generell schwierigen Erhaltungsbedingungen von organischen Materialien ist die Aussagekraft des herkömmlichen archäologischen Methodenkanons, bezüglich einer umfassenden Darstellung der prä- historischen Ernährung, in gewissem Sinne eingeschränkt. Zusätzlich werden in den meisten wissenschaftlichen Publikationen der Archäobotanik und Archäozoologie meist nur unbearbeitete bzw. ungekochte Zutaten in der jeweils aufgefundenen und/oder hochgerechneten Quantität aufge- listet und beschrieben. Da wir jedoch nicht explizit davon ausgehen sollten, dass die eisenzeitliche Bevölkerung ihre Lebensmittel ausschließlich ungekocht, roh oder nicht zubereitet verzehrte, sind wir aufgrund der fehlenden schriftlichen Überlieferungen von Kochrezepten im zentraleuropäischen Raum der Eisenzeit gezwungen, das Spektrum der zur Verfügung stehenden Quellen grundlegend zu erweitern. Abstract The conventional archaeological view of Iron Age diet has mostly been determined by the results of the analysis of ar- chaeological, archaeobotanical and archaeozoological fnds. Yet, per defnition, food is normally consumed and thus does not survive in its original form. Thus, and also due to the generally poor preservation of organic materials, traditional archaeological methods are rather badly suited to create a holistic picture of prehistoric diet. This problem is exacerbated by the fact that most archaeobotanical and archaeozoological publications normally only list and describe unprepared and uncooked ingredients, either in quantities found, or extrapolated. However, since we cannot reasonably assume that Iron Age populations consumed their diet exclusively raw, uncooked and unprepared, the lack of extant manuscripts of cooking recipes from Iron Age central Europe necessitates a signifcant expansion of the range of examined sources. R. Karl, J. Leskovar [Hrsg.] (2017), Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeiträge der 7. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich, Folge 47, Linz, 243-254.