Francesco Ferrari Frieden als Ars Videndi. »Inventing Peace« mit Martin Buber 1 Inventing Peace ist ein Essay, den Wim Wenders und Mary Zournazi 2013 im Tauris Verlag veröfentlicht haben (Wenders & Zournazi, 2013). Auf den folgenden Seiten werde ich zeigen, dass Martin Buber – dem das Buch gewidmet wurde – eine zentrale Inspiration für die Entwicklung der Friedenstheorie von Wenders und Zournazi gewesen ist. Die zwei Autoren weisen selbst ausdrücklich auf Bubers Texte hin, hauptsächlich auf Das echte Gespräch und die Möglichkeiten des Friedens (1953, hier Buber 2003), Zwiesprache (1930, hier Buber 1994), Ich und Du (1923, hier Buber 1995). Durch die dialogische Form, in der Inventing Peace geschrieben wurde (es geht hier, wie der Untertitel des Buches besagt, um A Dialogue on Perception), wird der Einfuss des jüdischen Philosophen deutlich. Wenders und Zournazi äußern sich hierzu wie folgt: »unse- ren Prozess des Zusammen-Schreibens verdanken wir Martin Bubers Verständnis des Dialoges als Begegnung« (Wenders & Zournazi, S. 11). 2 Für Buber, ebenso wie für sie, konstituiert demnach der echte Dialog die Grundbeziehung und den wahren Zugang zur mensch- lichen Existenz. Demgemäß wird das erste Kapitel von Inventing Peace durch einen Aphorismus Bubers eröfnet, der als Sinnbild sei- ner gesamten Philosophie verstanden werden kann: »Alles wirkliche Leben ist Begegnung« (Buber, Ich und Du, S. 12; zitiert bei Wenders & Zournazi 2013, S. 16) 1 This research was supported by funding from the German Research Foundation for the project »Hearts of Flesh-Not Stone« (DFG LE1260/3) – a transdisciplinary collaboration of Tel Aviv University, Ben Gurion University, the Wasatia Academic Institute, and the FSU Jena. 2 Alle im Original englischsprachigen Zitate aus Wenders und Zournazis Essay sind vom Verfasser ins Deutsche übersett worden.