Renate Egger-Wenzel Abgrenzung, Widerstand und Identität im Buch Tobit Vorbemerkung In aller Kürze seien die Eckdaten für das Tobitbuch genannt. Sein vollständiger Text ist in vier griechischen Majuskelhandschriften überliefert. Die kürzere Fassung findet sich mit der Bezeichnung GI in den Codices Vaticanus, Alexan- drinus und Venetus, auf die viele ältere Übersetzungen zurückgreifen. GII ist im Codex Sinaiticus enthalten und sowohl älter als auch länger und weist eine gewisse Nähe zu den ältesten Zeugen, den aramäischen und hebräischen Frag- menten aus dem Qumran des 2. Jh.s v.Chr. (ca. 1/5 des griechischen Textes) sowie zu La auf. Die jüngste Fassung GIII ist fragmentarisch „und kann als se- kundäre Textform bestimmt werden“ 1 . Das Tobitbuch wird ursprünglich „im aramäisch sprechenden Judentum“ 2 der Diaspora, möglicherweise im „Umkreis der Tobiaden“ 3 seine Ursprünge haben, wobei sich in der Literatur die Datierun- gen von der ausgehenden Perserzeit bis zum 2. Jh. v.Chr. erstrecken, mit Wahr- scheinlichkeit für letzteres. 4 Die fiktive Rahmenhandlung 5 des Buches Tobit ist vom Autor offensichtlich „als ein Muster jüdischer narrativer Theologie“ 6 gezielt gewählt worden, um unabhängig von einer klaren geschichtlichen Einordnung in pädagogischer Weise die jüdische Identität von in der Diaspora lebenden Juden zu stärken 7 . Ein solches Unterfangen erfordert Abgrenzung nach außen gegenüber der fremd- || 1 Engel, Buch, 351; vgl. zur Überlieferung auch Ego, Buch, 875-884; Gertz, Tobitbuch, 550; ausführlicher Moore, Tobit, 53-64, Fitzmyer, Tobit, 3-15, sodann die ausführliche Studien von Wagner, Tobit-Synopse, und von Hallermayer, Text. 2 Engel, Buch, 359. 3 Gertz, Tobitbuch, 554. 4 Vgl. Ego, Buch, 899-900. 5 Vgl. Moore, Tobit, 9-10; Nicklas, Tobit, 2.6; Engel, Buch, 283: „… fiktive Diaspora-Erzählung mit jüdisch-jerusalemischer Orientierung“; Gertz, Tobitbuch, 554: „Die zahlreichen histori- schen und geographischen Ungenauigkeiten …“ 6 Engel, Wegen, 84. 7 Vgl. Nicklas, Tobit, 2.5., insbesondere 6. Bereitgestellt von | De Gruyter / TCS Angemeldet | renate.egger@sbg.ac.at Autorenexemplar Heruntergeladen am | 12.07.17 13:52