r Designobjekt Mensch?! Ein Diskursbeitrag über die Probleme und Chancen transhumanistischer Menschenoptimierung Benedikt Paul Göcke Obwohl der Wunsch, die Grenzen der menschlichen Natur zu transzen- dieren, ein fester Bestandteil vieler Kulturen ist und in zahlreichen My- then und Märchen poetisch wie literarisch durchgespielt wurde und wird, rückt die Möglichkeit zur Veränderung der menschlichen Natur erst seit einigen Jahrzehnten durch den Fortschritt der theoretischen wie praktischen Wissenschaften in greifbare Nähe. 1 Da keine Stagna- tion der wissenschaftlichen Entwicklung zu erwarten ist, kann vernünf- tigerweise davon ausgegangen werden, dass in den kommenden Jahr- zehnten zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit de facto die Möglichkeit gegeben sein wird, die menschliche Natur nicht nur künst- lerisch als Designobjekt zu verstehen, sondern sie als solches zu behan- deln und durch den Einsatz der Errungenschaften moderner Wissen- schaften in hohem Maße zu verändern. 2 Für den Transhumanismus, nicht aber für viele andere Stimmen in der philosophischen Debatte, ist diese Entwicklung ein begrüßenswerter Schritt der kulturellen Evolu- tion des Menschen, der ihn in die Lage versetzt, fernab von zufälligen Mutationen und langwierigen adaptiven Prozessen autonom die Rich- tung seiner biologischen Evolution zu steuern und Herr seiner mentalen wie körperlichen Eigenschaften zu werden. Um zu einer begründeten philosophischen Einschätzung zu gelangen, werden im Folgenden zu- nächst verschiedene Thesen des Transhumanismus spezifiziert. Im An- schluss daran werden einige der zentralen philosophischen Argumente 1 Vgl. D. Ihde, Of Which Human are we Post?, in: G. R. Hansell/W. Grassie (Hrsg.), Transhumanism and its Critics, Philadelphia, PA 2011, 123–135, 126: „The desires and fantasies are ancient. Historically, they appear in our literatures, our fairy tales, and in our art.“ 2 Wie Tirosh-Samuelson m. E. zu Recht feststellt: „technology is transforming human life at a faster pace than ever before. The convergence of nanotechnology, biotechnolo- gy, robotics, information and communication technology, and applied cognate science poses a new situation in which the human has become a design object.“ H. Tirosh- Samuelson, Engaging Transhumanism, in: G. R. Hansell/W. Grassie (Hrsg.), Trans- humanism and its Critics, Philadelphia, PA 2011, 19–54, 19. 117 registriert am 21.03.2018 mit der ID 9280409