1 Erschienen in: NÖ Forschungs- und Bildungsgesellschaſt und Donau-Universität Krems (Hrsg., 2018): Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Auf dem Weg zu einer globalen Gesellschaſt der Überflüssigen? Tagungsband 2018 zum 7. Symposium Dürnstein. Hamburg: tredion, 75-82. Ulrich Brand Imperiale Lebensweise und die Produkon von Überflüssigen im globalen Süden Das Symposium hat eine doppelte Fragestellung: Eine eher zeitdiagnossche nach der Einschätzung von Maschinisierung, Automasierung, Digitalisierung und anderem. Hier geht es insbesondere um Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die andere Fragestellung betri jene der Alternaven, die ja seit einigen Jahren wieder intensiv diskuert werden. Schworte hierfür in der Einladung sind Dezentrierung der Erwerbsarbeit, Grundeinkommen, Gemeinwohl- oder Postwachstumsökonomie. Obwohl ich mich in den letzten Jahren intensiv mit Fragen der Postwachstumsökonomie und -gesellschaſt auseinander gesetzt habe und auch Mitglied einer Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag zu diesem Thema war 1 , habe ich einen anderen Schwerpunkt für meinen Beitrag zum Symposium gewählt. Mich hat das Adjekv „global“ im Titel dazu moviert, über Nord-Süd-Verhältnisse nachzudenken. Das mache ich nicht nur, weil ich mich viel mit Lateinamerika beschäſtige und gerade einige Wochen in Ecuador war, sondern weil mir die Debaen um Raonalisierung und Automasierung und in deren Folge um das „Überflüssigwerden“ von Menschen mit ihrer Arbeitskraſt teilweise etwas nordlasg vorkommt. Ich möchte gerne ein paar globale Zusammenhänge benennen. Doch zunächst soll mit einem 170 Jahre alten Zitat die aktuelle Debae historisch etwas kontextualisiert werden. Das folgende Zitat aus dem Jahr 1848 wird vielen bekannt vorkommen. „Die Bourgeoisie kann nicht exiseren, ohne die Produkonsinstrumente, also die Produkonsverhältnisse, also sämtliche Verhältnisse zu revoluonieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produkonsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produkon, die ununterbrochene Erschüerung aller gesellschaſtlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisieepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampſt, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen 1 Deutscher Bundestag (Hrsg., 2013): Schlussbericht der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität. Drucksache 13/300. Berlin; Brand, Ulrich (2013): Konsens jenseits der Wachstumsfixierung? Verspielte Chancen. (Zur Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages). In: Informaonsbrief Weltwirtschaſt & Entwicklung, 1/2013, 1-3; hps://www.weltwirtschaſt-und-entwicklung.org/wearchiv/042ae6a1660836101.php.