www.objektspektrum.de 1 fachartikel Dass Projektmanagement (PM) oft kein einfaches Geschäft ist und Intuition und Erfahrung allein nicht immer ausreichend sind, ist kein Geheimnis. Immer mehr Un- ternehmen erkennen den Wert und die Vorteile einer soliden Ausbildung ihrer Projektmanager und investieren entspre- chend in deren Ausbildung. Zertifizierun- gen durch eine der nationalen oder inter- nationalen PM-Institutionen gewinnen dabei immer mehr an Attraktivität. Die Wahl der richtigen Zertifizierung – also ei- nes bestimmten Anbieters und Standards – hängt von verschiedenen Randbedin- gungen ab. Neben zwei großen und inter- national anerkannten Standards existieren kleinere Anbieter oder Nischen. Warum überhaupt PM-Zertifizierungen? PM wird sehr unterschiedlich praktiziert und kann dadurch die Kommunikation und Zusammenarbeit im Projekt oder Un- ternehmen behindern. Ein gemeinsamer Wortschatz und ein einheitliches Ver- ständnis hingegen minimieren den Einar- beitungsaufwand, vermeiden unnötige Reibungen und Fehler und unterstützen eine effiziente und effektive Arbeit. Projektleiter steigern mit PM-Zertifi- katen ihren Marktwert, beschleunigen ge- gebenenfalls ihre Karriere und lassen sich ihre Qualifikation neutral und objektiv bestätigen. Die eine oder andere Stellenan- zeige begrüßt oder fordert bestimmte Zer- tifikate. Für freiberufliche Projektleiter, die sich selbst regelmäßig gegenüber neu- en und unbekannten Auftraggebern prä- sentieren müssen, kann ein Zertifikat eine wichtige vertriebliche Unterstützung dar- stellen und höhere Honorarforderungen ermöglichen. Da Freiberufler im Gegen- satz zu Angestellten aber oftmals weniger oder nur indirekte Rückmeldungen und Beurteilungen zu ihrer Qualifikation er- halten, kann ein Zertifikat auch zur besse- ren Selbsteinschätzung dienen oder das Selbstvertrauen unterstützen. Auch in der Personalentwicklung, z. B. im Rahmen unternehmensinterner Karrie- remodelle werden PM-Zertifizierungen im- mer häufiger eingesetzt. Der Erwerb eines Zertifikates wird dann möglicherweise Teil einer Zielvereinbarung oder Bedingung für ein höheres Gehalt. Festangestellte werden aber auch unabhängiger von der gegebe- nenfalls subjektiven oder einseitigen Beur- teilung durch ihre Personalvorgesetzten. Softwareentwicklungsunternehmen, Unternehmens- und Technologieberatun- gen sowie andere Dienstleistungsunter- nehmen können mithilfe der PM-Zertifi- kate ihrer Mitarbeiter Wettbewerbsvorteile erlangen und Vertrauen bei ihren Kunden herstellen. Gelegentlich werden bestimmte PM-Zertifikate auch bei Ausschreibungen gefordert. Für Projektleiter, die innovative oder weniger bekannte Verfahren praktizieren, kann der Nachweis eines Zertifikates ein vertrauensbildender Gegenpol zu den Un- sicherheiten oder Vorbehalten sein, die Auftraggeber oder andere Projektbeteilig- te möglicherweise gegenüber diesen neuen Verfahren haben. Nicht zu unterschätzen ist auch die höhere fachliche Sicherheit und Kompe- tenz, die sich üblicherweise einstellt. Ab- solventen, selbst sehr erfahrene Autodi- dakten, finden weitere Anregungen, Techniken, Tipps und Tricks, die ihnen zu noch besseren Leistungen verhelfen. Jeder entdeckt, dass die eine oder andere selbst- kreierte oder irgendwo abgeschaute eige- ne Praktik auch von anderen erfolgreich praktiziert wird oder dass es vorteilhafte- re Alternativen gibt. Absolventen erwei- Mein Haus, mein Auto, meine Projektmanagement-Zertifikate „Projektmanager” und „Projektleiter” sind keine geschützten Berufsbezeichnungen und daher als solche zunächst weitgehend wertlose Begriffe. Wer deutlich machen will, dass er dafür auch qualifiziert ist, kann zusätzlich zu Erfahrung und belastbaren Referenzen ein allgemein anerkanntes Zertifikat einsetzen. Aber welches? Mehr dazu in diesem Beitrag. Bernd Oestereich (bernd.oestereich@oose.de) ist Gründer der oose Innovative Informatik GmbH, vielfacher Buchautor und Coach für dynamische Organisationen. Er bereitet Projektmanager auf vieles, aber nicht auf Zertifizierungen vor. Oliver F. Lehmann (oliver@oliverlehmann.com) hat seine Zertifizierung zum „Project Manage- ment Professional” (PMP) 2001 abgelegt und seither viele hundert Projektmanager auf die Prüfungen des PMI vorbereitet. Er ist Präsident des PMI Munich Chapter e.V. Wilhelm Mikulaschek (w.mikulaschek@gpm-ipma.de) ist Vorstand Zertifizierung der GPM sowie Mitglied im Council of Delegates der IPMA. Er ist seit 2003 Lizenztrainer der GPM und hat mehrere tausend Projektmanager auf ihre Zertifizierung vorbereitet.