© 2019, V&R unipress GmbH, Göttingen ISBN Print: 9783847108863 – ISBN E-Lib: 9783737008860 Nana Kharebava / Christoph U. Werner Persisch-Russische Verzahnungen Im transosmanischen Kontext sind die Beziehungen oder Verzahnungen zwischen Persien und Russland immer als Dreieck zu denken, dessen dritte Seite das Osmanische Reich ist. Persien, Russland und das Osmanische Reich konkurrierten als dynamisches Dreieck seit dem 18. Jahrhundert mit zuneh- mender Intensität in Nordaserbaidschan, Armenien, Georgien und den Kha- naten des Kaukasus um Einfluss und Ressourcen. Der Begriff Verzahnungen betont dabei die nicht immer freiwilligen Relationen zwischen der sich for- mierenden und expandierenden Großmacht Russland einerseits und dem vormodernen Persien, das im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem semi-ko- lonialen Staatsgebilde wird. Vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde östlich des Kaspischen Meeres in Transoxanien eine weitere direkte Kontakt- und Konfliktzone zwi- schen Persien und Russland eröffnet. Mit dem Vordringen Russlands nach Zentralasien entstand dort eine neue Grenze zwischen Chorasan (H ˘ ura ¯sa ¯n) und Turkestan. Die Kernregion des great game im Mittelasien des 19. Jahrhunderts bildet damit ebenfalls ein Dreieck, in dessen Zentrum das heutige Afghanistan steht und an dessen Seiten jeweils Russland, Britisch-Indien und Persien liegen. Wie im Abschnitt zu persisch-indisch-osmanischen Interaktionen zu sehen war, spielte das Osmanische Reich hier ebenfalls eine gewichtige Rolle als sunnitisch- religiöser, aber auch reformerisch-intellektueller Bezugspunkt. Zu unterscheiden ist stets zwischen Distanzbeziehungen zwischen den im- perialen Hauptstädten Teheran und St. Petersburg einerseits – gekennzeichnet primär durch Handelsbeziehungen auf weite Entfernung und formalisierte di- plomatische Verbindungen – und Nahkontakten andererseits, die teils direkt, teils über sich bildende oder bestehende Puffer- und Kontaktzonen abliefen. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-SA 4.0