ABHANDLUNG
DOI 10.1007/s11609-016-0308-0
Berlin J Soziol (2016) 26:61–84
Der European Research Council als Ordnungsanspruch
des europäischen Projekts im akademischen Feld
Vincent Gengnagel · Nilgun Massih-Tehrani · Christian Baier
Online publiziert: 8. August 2016
© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016
Zusammenfassung Im Spannungsfeld zwischen vielfältigen nationalen akademi-
schen Traditionen und der globalen Hegemonie der USA in Wissenschaft und For-
schung bemüht sich die Europäische Union um die Etablierung einer integrierten
und eigendynamischen „European Research Area“. Die von politischer Seite gefor-
derte „Europäisierung des Hochschulraums“ erscheint zunächst als eine vertikale
Setzung der Rahmenprogramme der EU. Mit der Genese des „European Research
Council“ (ERC) kommt es jedoch zur Etablierung einer europäischen akademischen
Eigenlogik, die an innerakademische Strategien der Legitimierung von Exzellenz
durch wissenschaftliche Autonomie anknüpft. Der vom ERC adressierte Wettbe-
werb schließt an die meritokratischen Begründungen wissenschaftlichen Erfolgs
sowohl der Governance-nahen als auch der idealistisch-kritischen Elite an, die den
ERC legitimierend aufgreifen und sich damit an der Konstruktion einer europä-
ischen Konsekrationsinstanz beteiligen. So trägt das akademische Feld aktiv zu
einer europäischen Ordnung bei, deren symbolische und materielle Integration über
Elitenwettbewerb, das Öffnen nationaler Standortlogiken und durch den Primat des
Ökonomischen gekennzeichnet ist.
Schlüsselwörter Europäisierung · Wissenschaftssoziologie · Feldtheorie ·
Bourdieu · ERC
V. Gengnagel () · N. Massih-Tehrani · C. Baier
Fachbereich Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Zeppelin Universität,
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E-Mail: vincent.gengnagel@uni-bamberg.de
N. Massih-Tehrani
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C. Baier
E-Mail: christian.baier@uni-bamberg.de
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