12 SEITE Der Limes 8 / 2014 Heft 2 FORSCHUNG Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. fand die Produktion von militärischen Ausrüstungsgegenständen nicht nur in Werkstätten der römischen Armee, sondern auch auf ziviler Ebene statt. Dadurch entstanden regionale Ausprägungen von Waffenbestandteilen, die sich zum Beispiel auch für Schwertscheiden-Ortbänder in Nieder- germanien nachweisen lassen. VON SUZANA MATEŠI ´ C WAFFEN FÜR RÖMER – WAFFEN FÜR GERMANEN? REGIONALE AUSPRÄGUNG RÖMISCHER MILITARIA RECHTS UND LINKS DES RHEINS um die Legionslager und Auxiliarkastelle entstan- den, entwickelte sich eine Waffenproduktion auf privatem Sektor. Möglicherweise übten die Waffen- schmiede des Militärs, nachdem sie aus dem akti- ven Dienst ausgeschieden waren, ihr Handwerk unter geänderten Rahmenbedingungen als Vetera- nen weiterhin aus. Vielleicht wollten aber auch pri- vate Handwerker die Soldaten als zahlungskräftige Klientel gewinnen, indem sie neue Trends in der Mode aufgriffen und entsprechende militärische Ausrüstungsbestandteile herstellten. Da die Aus- rüstung Privatbesitz der Soldaten war, stand es ih- nen frei, diese innerhalb eines vorgegebenen Rah- mens nach eigenem Geschmack und finanziellen Möglichkeiten zusammenzustellen. Natürlich mussten die Waffen funktional der Kampftaktik der Truppengattung entsprechen: Wenn die Legio- näre die auf der Trajanssäule dargestellte und heute noch aus der Comicreihe „Asterix“ be- kannte Schildkrötenformation ( testudo) einneh- men sollten, dann wurde dafür der Rechteckschild (scutum) benötigt. Daher war es den Soldaten nicht möglich, diesen willkürlich gegen einen Rund- oder Ovalschild auszuwechseln. Bei den Gürtelbeschlägen oder Bestandteilen der Schwert- aufhängung konnte der einzelne Soldat jedoch durchaus modischen Entwicklungen folgen, sei- ne Ausrüstung personalisieren und sich somit optisch ein wenig aus der Menge der Soldaten ab- heben. Doch auch funktional ist eine Auswahl an verschiedenen Waffen sinnvoll: Ein schneller und wendiger Soldat könnte mit einer kürzeren Der Limes mit seinen militärischen Anlagen bilde- te nicht nur die Grenze des Römischen Reiches, sondern trotz des überwachten Grenzverkehrs ei- nen durchaus überwindbaren Übergang zwischen den sich über die Zeiten annähernden Kulturen. Die Lager, Kastelle und anderen Bauten des Militärs stellten die Infrastruktur der Grenzregion dar. Ei- nen tieferen Einblick in das damalige Leben der Soldaten erhält man jedoch erst, wenn man die Kleinfunde, insbesondere die Militaria, näher be- trachtet. Die militärische Ausrüstung begleitete die Soldaten jeden Tag und ebenso wie stetes Trai- ning, Strategie und Kampftaktik trugen auch quali- tativ hochwertige Waffen zu der bekannten und wirksamen Schlagkraft des römischen Heeres bei. Die Legionen und Hilfstruppen entlang des Limes benötigten eine ungeheure Menge an qualitätvol- len Waffen und weiteren Ausrüstungsobjekten, die als Privatbesitz von den Soldaten beim Eintritt in den Militärdienst erworben wurden. Es muss also eine entsprechend große Anzahl an Werkstätten und Waffenschmieden gegeben haben, um den ho- hen und stets vorhandenen Bedarf der Truppen zu decken. PRODUKTION UND BESITZ VON WAFFEN UND MILITÄRISCHER AUSRÜSTUNG Nach der Einrichtung von dauerhaften und be- festigten Grenzlinien gab es militärisch geführte Werkstätten in den Kastellen. Aber auch in den canabae legionis und vici, den Siedlungen, die rund