Michael Kahr Das Institut für Jazzforschung in Graz Rahmenbedingungen, Geschichte, Programmatik Die Aktivitäten und Publikationen der 1969 gegründeten Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung IGJ und des 1971 an der heutigen Uni- versität für Musik und darstellende Kunst Graz eingerichteten Instituts für Jazzforschung gelten als einflussreiche Faktoren in der Entwicklung der europäischen Jazzforschung. Die seit 1969 von der IGJ ausgerichteten jazzwissenschaftlichen Kongresse ermöglichten ein erstes fachspezifisches Diskussionsforum für Jazzforscher, die vornehmlich aus dem deutschspra- chigen Raum, aber auch aus dem europäischen Ausland, den USA, Afrika und Australien stammten (vgl. Kahr 2016: 186–193 und Körner 1973: 216). Zur regelmäßigen Verbreitung von Forschungsergebnissen wurde 1969 das Jahrbuch Jazzforschung / Jazz Research ins Leben gerufen, das heute als weltweit ältestes Periodikum der Jazzforschung gilt (vgl. Martin 1997: 11; Martin 2003/2005: 169; Shepherd 2003: 42). Bereits die Aufsätze des ersten Bandes bildeten ein breites thematisches und methodi- sches Verständnis des Forschungsgebiets ab und definierten damit die bis heute maßgebliche interdisziplinäre Ausrichtung der Jazzforschung (vgl. Rauhe 1970; Rauhe 2010). Parallel zur ersten Ausgabe des Jahrbuchs wurde die erste Monografie in der Reihe Beiträge zur Jazzforschung / Studies in Jazz Research herausgegeben. Seit 2000 werden die beiden Publikationen durch eine dritte Reihe Jazz Research News komplettiert. Im Fokus dieses Aufsatzes stehen die Forschungsprogrammatik der Grazer Jazzforschung und deren Wandel, die hier in Verknüpfung mit den soziokulturellen sowie kultur- und hochschulpolitischen Entwicklungen in der Stadt Graz untersucht werden. Dies geschieht unter Berücksichtigung der spezifischen wissenschaftsgeschichtlichen Rahmenbedingungen in Graz und deren Wechselwirkung mit dem Auf- und Ausbau, der Struktur und der internationalen Positionierung der Institute für Jazz und Jazzfor- schung. Die Darstellung erfolgt größtenteils chronologisch und enthält fol- gende thematische Abschnitte: