Michael A. Speidel Rom und die Fernhandelswege durch Arabien Abstract: Road maps of the Roman Empire usually show a reticulate network of lo- cal and long distance routes stretching to the very limits of the Imperium Romanum, where all roads suddenly appear to end. Although the physical remains of Roman roads clearly show that Rome constructed its road system only within the empire’s boundaries, they also reveal that this was not done to a single empire-wide standard. Nor did Rome’s interest in road connections end where provincial territory did. This contribution discusses new epigraphic and archaeological evidence from the territory of the former Nabataean kingdom that illustrates how, in the early decades of the new province of Arabia, the purpose a certain road was expected to serve determined the standards to which it was constructed. Purpose and construction standards, in turn, therefore shed light on various aspects of Roman imperial interests in the wider region. Zusammenfassung: Straßenkarten des Römischen Reiches zeigen ein zumeist verästel- tes Netzwerk von Fern- und Lokalstraßen, das sich bis an die äußersten Grenzen des Imperium Romanum erstreckt, wo die Verbindungen dann abrupt enden. Zwar zeigen die physischen Reste römischer Verkehrsinfrastruktur, dass der römische Ausbau des Straßennetzes sich nicht über das Provinzgebiet hinaus erstreckte, doch bekanntlich geschah der Ausbau innerhalb des Reiches keineswegs gleichförmig oder nach einem einheitlichen Standard. Auch endete das römische Interesse an Verbindungsrouten nicht an den Reichsgrenzen. Die in diesem Beitrag besprochenen neuen archäologi- schen und epigraphischen Funde vom Gebiet des ehemaligen Nabataeerreiches zeigen, wie der vorgesehene Zweck, dem bestimmte Straßen in der frühen Phase der Erschlie- ßung der neuen Provinz dienen sollten, die Art des römischen Ausbaus der vorgefun- denen nabatäischen Routen bestimmte. Zweck und Ausbau werfen somit auch neues Licht auf verschiedene Aspekte römischer Interessen in der weiteren Region. Das Netz von Fernstraßen, das sich bis in die Peripherie des Römischen Reiches erstreckte, gehörte zu den kennzeichnenden Merkmalen des Imperium Romanum. Das ist bekanntlich keine neuzeitliche Einschätzung moderner Historiker und Archäolo- gen, sondern das hat bereits Dionysios von Halikarnassos gegen Ende des 1. Jahrhun- derts v. Chr. in seinem Werk zur römischen Frühgeschichte so geäußert. Für diesen augusteischen Historiker aus Kleinasien gehörten die Straßen (zusammen mit den Aquaedukten und den Kloaken) zu den drei größten Errungenschaften der Römer.1 1 Dion.Hal.ant. 3,67,5. Research for this contibution was carried out in the context of the author’s fellowship no. UMO-2016/23/P/HS3/04141 of the National Science Centre, Poland. This project has received funding from the European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme under the Marie Skłodowska-Curie grant agreement No 665778 [EU-Logo]. https://doi.org/10.1515/9783110638332-005 Angemeldet | mspeidel@sunrise.ch Autorenexemplar Heruntergeladen am | 01.08.19 06:45