ORIGINALARBEIT
https://doi.org/10.1007/s00451-019-00350-z
Forum Psychoanal
Zwischenleiblichkeit in der psychodynamischen
Psychotherapie
Ansatz zu einem verkörperten Verständnis von Intersubjektivität
Daniel Broschmann · Thomas Fuchs
© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
Zusammenfassung Im Zuge eines Paradigmenwechsels innerhalb der Psychoana-
lyse finden neuerdings relationale Ansätze, die die intersubjektive Perspektive und
das implizite körperliche Wissen in der Psychotherapie in den Blick nehmen, immer
mehr Berücksichtigung. Dadurch wird die moderne psychodynamische Psychothe-
rapie anschlussfähig an Theorien der Verkörperung („embodiment“), die innerhalb
der deutschsprachigen Philosophie besonders durch die Leibphänomenologie ge-
prägt sind. Insbesondere die Konzepte der Zwischenleiblichkeit sowie des Leibge-
dächtnisses ermöglichen es, unbewusste, aber nichtverdrängte Dynamiken aus ei-
ner verkörperten Perspektive zu reflektieren. Differenziert wird dabei zwischen den
Phänomenen des leiblichen Ausdrucks, der leiblichen Präsenz, der zwischenleib-
lichen Resonanz und Synchronizität sowie der zwischenleiblichen Nähe. Anknüp-
fungspunkte zur leibphänomenologischen Forschung finden sich besonders in den
entwicklungspsychologischen Arbeiten der Boston Change Process Study Group,
in den Ansätzen der relationalen Psychoanalyse und in der psychoanalytisch-inter-
aktionellen Methode. Die Erweiterung der psychodynamischen Psychotherapie um
einen leibphänomenologischen Blickwinkel ermöglicht ein breiteres Begriffsinstru-
mentarium und eine entsprechend feinere Unterscheidung der impliziten Phänomene
interaktiver Prozesse.
Dr. med. D. Broschmann ()
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Von-Siebold-Str. 5, 37075 Göttingen,
Deutschland
E-Mail: daniel.broschmann@med.uni-goettingen.de
Prof. Dr. med. Dr. phil. T. Fuchs
Sektion Phänomenologische Psychopathologie und Psychotherapie, Klinik für Allgemeine
Psychiatrie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Heidelberg,
Voß-Str. 4, 69115 Heidelberg, Deutschland
E-Mail: thomas.fuchs@med.uni-heidelberg.de
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