927 Aus Philippopolis 1 , einer Stadt im Landesinneren Thrakiens –h. Plovdiv, Bulgarien– ist eine Münze aus der Zeit des Commodus bekannt, die auf der Rückseite die Isis Pelagia, eindeutig erkennbar an dem aufgeblähten Segel, das sie in den Händen hält, zeigt (Abb. 1) 2 . Eine ähnliche Abbildung der Göttin ist auf unter Commodus, Septimius Severus und Gordianus III. geprägten Münzen aus Kallatis bekannt (Abb. 2) 3 . Hier ist die mögliche Verehrung der Göttin verständ- lich: Kallatis ist eine Hafenstadt am Pontos Euxeinos, die Schiffahrt wird unter dem Schutz der in der Kaiserzeit in großen Teilen der antiken Welt populä- ren Isis der Beherrscherin der Meere und Beschützerin der Schiffahrtgestanden haben 4 . Wie aber läßt sich die Abbildung der Isis Pelagia in Philippopolis erklären? Haben wir es hier möglicher- weise mit dem Phänomen zu tun, daß Stempel in einer gemeinsamen Werkstätte zweier oder mehrerer Poleis hergestellt wurden, oder gab es gar wandernde Stempelschneider mit einem bestimmten Typenvorat? Dieses von Konrad Kraft vor allem für Kleinasien behandelte und von ihm durch die These mobiler Werkstätten erklärte Phänomen 5 eine These, die nur wenige Anhänger gefunden hatläßt sich durch gemeinsame Stempelvorderseiten auch in den thraki- schen und moesischen Prägungen vermehrt belegen 6 und wird wie unser Beispiel zeigtdurch ähnliche Rückseiten verschiedener Städte untermauert 7 . Unabhängig jedoch von diesem möglichen praktischen Ablauf der kaiserzeitlichen Münzprägungen in den Provinzen kann man bei vielen Münzbildern einen Bezug zur emittierenden Stadt feststellen: Die Darstellungen wurden gewiß nicht willkürlich gewählt. Unter Berücksichtigung der weiteren überlie- ferten archäologischen, epigraphischen und literaris- chen Quellen sollte man und darf man ungeachtet der gewichtigen Beobachtungen von Konrad Kraft also auch weiterhin nach der Aussage der antiken Münzbilder fragen. Die Bedeutung des Hebros in der Münzprägung von Philippopolis (Thrakien) ULRIKE PETER 1. Vgl. immer noch Danoff, Chr. M.: s. v. Philippopolis, RE XIX/2, 1938, 2244-2263; zuletzt Kesjakova, E.: Filipopol prez rimskata epo- cha, Sofija 1999. 2. Mir sind folgende Exemplare bekannt: Privatslg. J. Georgiev, Plovdiv (14,61 g; 29/30 mm, 12 Uhr) = Abb. 1; Mušmov, N. A.: Anticnite moneti na Balkanskija poluostrov i monetite na balgarskite care, Sofija 1912, 5207 o. Abb.; Leu Numismatic AG, Auktion 72, 12.5.1998, 460 (17,97 g; 31/33 mm; 7 Uhr); G. Hirsch Nf., Auktion 203, 24.-26.2.1999, 601 = Auktion 205, 22.-25.9.1999, 878 (33 mm); Varbanov, I.: Gracki imperatorski moneti i technite stojnos- ti, Katalog, tom III, Burgas 2002, 924-925. 3. Commodus: Gipsabgußslg. Griechisches Münzwerk, Berlin- Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (27 mm) = Abb. 2; Septimius Severus: Classical Numismatic Group, Mail Bid Sale 49, 17.3.1999, 895 (10,92 g; 26 mm); Gorny & Mosch, Auktion 113, 18.10.2001, 5366 (13,30 g; 28 mm); London, British Museum 1905-4-4-3 (11,48 g; 24/25 mm; 2 Uhr); ANS 1957-52-209 (13,12 g; 12 Uhr); Gordianus: Sylloge Nummorum Graecorum Hungary, 3. Moesia Inferior: Callatis-Dionysopolis-Istrus-Marcianopolis-Nicopolis ad Istrum- Odessus- Tomis, ed. by I. Vida, Budapest 2000, 10 (13,14 g; 2 Uhr). 4. Zu den Kulten der ägyptischen Gottheiten in Thrakien und Moesien s. zuletzt die Übersicht von Bricault, L.: Atlas de la diffusion des cultes isia- ques (IVe s. av. J.-C.-IVe s. apr. J.-C.), Paris 2001, 28-33 mit weiterer Literatur sowie Tran Tam Tinh, V.: Sérapis et Isis en Thrace et en Mésie inférieure: Problèmes iconographiques, Pulpudeva 6- Supplementum, Plovdiv, 10-12 octobre 1986, Sofia 1998, 172-187. 5. Kraft, K.: Das System der kaiserzeitlichen Münzprägung in Kleinasien. Materialien und Entwürfe, Berlin 1972 (Istanbuler Forschungen 29). Zur Diskussion um Krafts Ergebnisse und Thesen s. zuletzt Brandt, H.: Adada - eine pisidische Kleinstadt in hellenistischer und römischer Zeit, Historia 51/4, 2002, 385-413, S. 406-7 mit Anm. 124. Siehe auch unten Anm. 7 und 76. 6. Stempelgleiche Vorderseiten sind z. B. unter Faustina d. J. in Hadrianopolis und Plotinopolis bekannt, unter Caracalla als Caesar in Perinthos und Bizye, unter Gordianus III. in Markianopolis, Odessos und Tomis (vgl. Schultz, H. -D.: „Die-Sharing“ in Thrakien, Annotazioni Numismatiche 36, Dicembre 1999, 829-836 mit den Nachweisen in der Literatur) sowie unter Septimius Severus in Markianopolis und Anchialos (so in der Privatslg. M. Simon, Erfurt) belegt. Auch bei mei- nen Untersuchungen zu den ägyptischen Typen auf thrakischen und moesischen Prägungen konnte ich beispielsweise Münzen aus Dionysopolis ausmachen, die Gordianus III. und Sarapis auf der Vorderseite zeigen und mit demselben Stempel hergestellt worden sind wie Münzen aus Markianopolis (vgl. Peter, U.: Religious-cultural iden- tity in Thracia and Moesia Inferior, in: Coinage and Identity in the Roman pro- vinces, ed. by Burnett, A. / Howgego, Chr. / Heuchert, V. [forthcoming]). 7. Vgl. auch Schönert-Geiss, E.: Die Münzprägung von Augusta Traiana und Traianopolis. Berlin 1991 (Griechisches Münzwerk. Schriften zur Geschichte und Kultur der Antike 31), S. 16 mit weiteren Beispielen. Die dort in Anm. 4 genannte Münze von Philippopolis mit dem Flußgott vor der Stadtmauer aus einer bulgarischen Privatslg. ist mir leider nicht bekannt. Zu diesem Phänomen bezûglich der Prägungen von Pautalia und Serdika s. Grigorova, V.: Neue Beiträge zur Erforschung der Münzprägung von Pautalia, Annotazioni Numismatiche, Suppl. XII, Milano 1998, 17.