358 KLAUS E BOHNENKAMP Wegen dem Stein werde ich fragen, furchte aber dass kaum was zu finden sein wird Und jedenfalls wäre es besser wenn sich etwas m der Schweiz fände - Das wird nicht leicht sein M ir ist schrecklich leid Ihren Bruder und seine junge Frau in Wien zu manqui- ren(,) ich hatte ihn so gerne gesehen - und will ihm gerade schreiben ob wir uns nicht irgendwie in Duino rendez vous geben konnten - M it meiner Gesundheit bin ich nicht besonders zufrieden - auch ist das Wetter nicht recht darnach und ich weiss nicht recht wie ich mir es weiter eintheilen werde Nochmals, hebe Frau von der Muhle, meinen herzlichsten Dank und innige Grusse von Ihrer ManeTaxis Anm 3], S 959) Damit stutzt sie sich auf Rilkes »Letzten Willen« vom 27 Oktober 1925, den er zwei Tage spater Nanny Wunderly-Volkart zu treuen Händen versiegelt ubergeben hatte Dort heißt es unter Ziffer 2 und 3 »Geschieht es, daß ich auf Muzot oder überhaupt in der Schweiz sterbe, so wünsche ich, weder in Sierre noch etwa in Miege beigesetzt zu sein [ ] Sondern ich zöge es vor, auf dem hochgelegenen Kirchhof neben der alten Kirche zu Rarogne zur Erde gebracht zu sein Seine Einfried[ig]ung gehört zu den ersten Platzen, von denen aus ich Wind und Licht dieser Landschaft empfangen habe, zusammen mit allen den Versprechungen, die sie mir, mit und m Muzot, spater sollte verwirklichen helfen« ZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA (Rilke - Wunderly-Volkart [wie Anm 7], S 1192) 3 5 Laut Dory von der Muhlls frei zitierter Wiedergabe hatte Rilke verfugt »>da ich die geo - metrische Kunst moderner Steinmetzen verabscheue« so mochte er bitten dass man auf sein Grab einen alten Stein setze «vielleicht aus der Zeit des Empire« wie auf dem Grabe seines Vetters « - W örtlich heißt es im Testament »Nun verabscheue ich die geometrischen Kün - ste der heutigen Steinmetzen, es wird vielleicht möglich sein, einen alten Stein (etwa des Empire) zu erwerben (wie dergleichen, in Wien, für das Grab meines Vetters geschah) « (Rilke - Wunderly-Volkart [wie Anm 7], S 1192) - »Es ist nicht ganz leicht«, fahrt Frau von der Muhll fort, »diesen Wunsch zu erfüllen Ich wusste in der Schweiz nicht einen Friedhof zu nennen welcher der Ausdehnung einer Stadt oder andern Gründen des moder - nen Lebens hatte weichen müssen Ich dachte an Sie, verehrte Fürstin, als ich diese Bitte Rilkes las Ob Ihre Freunde in Österreich, Böhmen oder Italien das finden konnten was Rilke sich wünscht«'« (Rilke - Taxis [wie Anm 3], S 959!) Ein Briefwechsel zwischen Rilke und der Violinistin Alma Moodie Herausgegeben und kommentiert von Fl o r ia n Gelzer I. Alma Moodie ein australisches Wunderkind An Ostern 1923 erhielt Ramer Maria Rilke auf Chateau de Muzot Besuch vom »Burgherrn««, seinem Freund und Gönner Werner Reinhart (1884-1951) In dessen Begleitung erschienen zwei weitere Gaste, der Maler Edmund von Freyhold 1 sowie eine Rilke damals noch unbekannte Musikerin die australische Violinistin Alma Moodie (1898-1943) Nach dem österlichen Treffen entspann sich zwischen dem Dichter und der Musikerm ein loser Briefwechsel, der mehrere Jahre andauerte Rilkes Briefe an die Geigerm wurden nie publiziert 2 Mindestens zwei davon sind auf Auktionen aufgetaucht, 3 die meisten jedoch haben bislang als verschollen gegol- ten 4 Ein Teil des Briefwechsels befindet sich jedoch im Besitz von Frau Heidi Spengler-Bickel, der Schwiegertochter Alma Moodies, die es ermöglicht hat, ihn hier zu veröffentlichen 3 Die insgesamt zwölf Briefe - fünf davon stammen von 1 Von Konrad Ferdinand Edmund von Freyhold (1878-1944) stammt unter anderem das von Rilke sehr geschätzte, für Kinder bestimmte Osterbuch (1908), zu dem Christian Morgen - stern Verse beigesteuert hat (vgl Roland Stark »Konrad Ferdinand Edmund von Freyhold als Buchillustrator« In 40 [1997], S 12-32) 2 Aus den einschlägigen Briefsammlungen wird im Folgenden mit Siglen und Seitenangaben direkt im Text zitiert RMR/Mane von Thurn und Taxis Briefwechsel Besorgt durch Ernst Zmn M it einem Geleitwort von Rudolf Kassner 2 Bde Zürich 1951 (= MTT), RMR Die Briefe an Frau Gudi Nolke Aus Rilkes Schweizer Jahren Hrsg von Paul Obermuller Wiesbaden 1953 (= GN), RMR Briefe an Nanny Wunderly-V olkart Im Auftrag der Schweizerischen Landesbibhothek und unter Mitarbeit von Niklaus Bigler besorgt durch Ratus Luck 2 Bde Frankfurt a M 1977 (= NWV), RMR Briefwechsel mit Regina Ullmann und Ellen Delp Hrsg von Walter Simon Frankfurt a M 1987 (= RU/ED), RMR Briefwechsel mit den Brüdern Reinhart 1919-1926 Hrsg von Ratus Luck unter Mitwirkung von Hugo Sarbach Frankfurt a M 1988 (= BwR), RMR Briefe m zwei Ban - den Hrsg von Horst Nalewski 2 Bde Frankfurt a M und Leipzig 1991 (= BN), RMR Briefe an Schweizer Freunde Erweiterte und kommentierte Ausgabe Hrsg von Ratus Luck unter Mitwirkung von Hugo Sarbach Frankfurt a M , Leipzig 1994 (= SchwF), RMR Briefwechsel mit Anton Kippenberg 1906-1926 Hrsg von Ingeborg Schnack und Renate Schaffenberg 2 Bde Leipzig 1995 (= AK), RMR/Sidome Nädherny von Borutin Briefwechsel 1906-1926 Hrsg und komm von Joachim W Storck unter Mitarbeit von Waltraud und Friedrich Pfafflm (Bibliothek Janowitz) Gottingen 2007 (= SNvB) 3 1992 war ein Brief Rilkes an Moodie vom 313 1924 beim Berliner Antiquariat Pels-Leus- den im Angebot (Katalog IV des Antiquariats Pels-Leusden, S 76 [vgl SchwF 643]» s un " ten, Anm 61), 2004 wurde im Berliner Auktionshaus Stargardt ein Brief Rilkes an Moodie vom 3 4 1923 versteigert (siehe unten, Anm 28) 4 Vgl BwR 522 »Briefe Rilkes an Alma Moodie scheinen nicht erhalten oder zugänglich zu sein « 5 Frau Heidi Spengler-Bickel sowie Herrn Dr Karl Andres (beide Bern) sei herzlich für die Bereitstellung der Vorlagen sowie weiterer Dokumente gedankt Frau Dr Franziska Kolp