178 Daniel A. Walser Der Architekt Andres Liesch ist wohl die markanteste Persön- lichkeit der Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg in Grau- bünden. Über 250 Gebäude aus seiner Feder stehen in Graubün- den und im Kanton Zürich. Einen bedeutenden Teil davon bilden 37 Schulhäuser, welche er vornehmlich in Graubünden errichtete. Lieschs Generation von Architekten und Bauingenieuren war für den Bau der noch heute benutzten Infrastruktur verantwortlich. Sie hat den modernen Kanton Graubünden erbaut. Andres Liesch hat neben Schulen viele öffentliche Bauten errich- tet. Gerade hier zeigt sich, dass seine Bauwerke von hoher räum- licher Komplexität und struktureller Stringenz geprägt sind. Seine Bauwerke sind effizient organisiert und solide konstruiert. Sie strahlen nicht nur Langlebigkeit aus, durch die konsequente Ver- wendung von stabilen Baumaterialien wie Beton und Holz sind sie auch einfach zu unterhalten. Aus Chur nach Zürich Andres Liesch wuchs in Chur auf und studierte von 1948 bis 1952 an der ETH Zürich Architektur. Er diplomierte bei Hans Hof- mann, dem früheren Chefarchitekten der Schweizerischen Lan- desausstellung von 1939 in Zürich. Hofmann galt bei den Studie- renden der ETH Zürich als der moderne Architekt, bei dem alle ambitionierten Studierenden ihr Diplom machten. Sein Praktikum absolvierte Liesch bei Karl Egender, dem Erbauer des Hallensta- dions und der Kunstgewerbeschule in Zürich. Nach seiner Diplo- mierung arbeitete Liesch im Architekturbüro von Hans Hofmann und war gleichzeitig als Assistent an dessen Lehrstuhl tätig. 1956 eröffnete er sein eigenes Architekturbüro in Chur und Zürich. Sein erstes eigenes Werk war 1957 ein Stall in Malix. Selbst dieser Stall zeigt bereits die wichtigsten Eigenschaften seiner späteren Bauten: funktionale Organisation, sorgfältige Konstruktion und «Substanz gewinnen durch klare architektonische Aussage. Den Zeitgeist erfassen, ohne den Genius Loci zu verraten.» Andres Liesch (1927–1990), Architekt, Chur und Zürich Andres Liesch (1929-1997), Architekt, in seinem Wohn- haus an der Bergstrasse in Zürich (Nachlass Andres Liesch dipl. Architekt BSA / SIA Zürich + Chur).