Zsolt Simon Zentralanatolische Toponyme auf °šna und ein hattisches Suffix: Zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Hattischen https://doi.org/10.1515/aofo-2018-0021 Abstract: This paper provides a linguistic re-analysis of the toponyms ending in °šna in Anatolian cuneiform texts. It argues that due to phonological reasons not all of them can be explained with a Hittite suffix as it is usually done and a similar Hattian suffix fits better. The toponyms with the Hattian suffix provide the first evidence that Hattian was once spoken south of the Kızılırmak river. As a by-product, new etymologies for some Hittite words and toponyms as well as an extended Palaic speaking territory are suggested. Keywords: Hattisch, palaisch, Toponyme, Etymologie Die Untersuchungen von Forlanini 1987 und Girbal 2007 zeigten, dass auch die Erforschung der hattischen Ortsnamen zum besseren Verständnis des Hattischen und seiner Verbreitung führen kann. In diesem Beitrag wird eine weitere Gruppe der zentralanatolischen Ortsnamen besprochen, die aus den zahlreichen Ortsna- men, die auf -šna auslauten, besteht. Es wird dafür argumentiert, dass diese Gruppe teilweise hattischer Herkunft ist und Informationen zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Hattischen liefern kann. 1 Forschungsgeschichte Die Existenz dieser Ortsnamengruppe wurde schon am Anfang der Forschung beobachtet und mehrere Lösungen wurden vorgeschlagen. 1 Auf diese Gruppe der Ortsnamen machte zuerst Emil Forrer aufmerksam, der sie als Lokative von Kollektiven auf -sar- (-sn)-erklärte und noch dazu die wichtige Beobachtung machte, dass so gut wie keiner der Wortstämme solcher Ortsnamen zugleich ein kanisisches Wort ist, weshalb er vorsichtig (vielleicht) die Möglichkeit der Entlehnung aus dem Luwischen erwog (Forrer 1938: 180). Laroche (1961: 8485) entwickelte die Hypothese Forrers weiter, indem er darauf aufmerksam machte, dass einerseits dieses Suffix hethitisch ist, weshalb die Idee der luwischen Entlehnung abzulehnen ist, und andererseits dass dieses Suffix -eššar-/-ešna- lautet, das semantisch hervorragend zu Ortsnamen passt, weil es über eine kollektive Bedeutung verfügt. Er bestimmte diese Ortsnamen formal als Plural Neutrum (ihm folgt Neumann 1988: 260, allerdings als Lok. Sg.). Die sehr große Anzahl der Ortsnamen, die kein -e- aufweisen, erklärte Laroche mit dem sporadischen hethitisch-luwischen Lautwandel -uwa-/-uwi->-u- (zu -uwi->-ū- s. allerdings Simon 2016). 2 Er fügte noch hinzu, dass viele Ortsnamen in den luwischsprachigen Gebieten erscheinen, weshalb sie zu dieser Sprache gehören müssten. Der aus dieser Hypothese stammende Wider- Zsolt Simon, Institut für Assyriologie und Hethitologie, Ludwig-Maximilians-Universität München, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München, E-Mail: zsltsimon@gmail.com 1 Dieses Suffix wurde nur kursorisch im Überblick zur Morphologie der hethitischen Toponyme von Tischler (1975: 264) erwähnt und nicht aufgenommen in die (nur einige Beispiele erwähnende) Toponymensuffixliste von Hoffner (1998: 119). 2 Soysal (1989: 182 Anm.48), der sich an mehrere Etymologien von Laroche anschließt, ließ dieses phonologische Problem unerklärt. Es ist unklar, was Neumann mit der Schreibung *samlu(e)ssar,*wattaru(e)ssar ausdrücken wollte, eine Erklärung ist es jedenfalls nicht. Altorientalische Forschungen 2018; 45(2): 258268 Angemeldet | zsltsimon@gmail.com Autorenexemplar Heruntergeladen am | 08.12.18 12:18