18 JAHRBUCH • KREIS TRIER-SAARBURG • 2020 Was sich liebt, das neckt sich Ausonius zu Moselwinzern und Moselschiffern von Lothar Schwinden Die Mosella des Ausonius ist eine Dichtung, die auch uns heutige Bewohner an der Mosel mit besonderer Befriedigung erfüllen kann. Es ist schon eine Einmaligkeit, wie in 483 lateinischen Versen einer antiken Dichtung eine Land- schaft gewürdigt wird. Ausonius (ca. 310-394), Dichter, Lehrer und höchster Beamter im Dienst spätrömischer Kaiser, offenbart darin seine persönliche Bindung zur Mosellandschaft als seine zweite Heimat. Nach 367 wurde er von Kaiser Valentinian I. aus Bordeaux als Erzieher des noch jungen Kaisersohnes und Mitherrschers Gratian (geboren 18.4.359) an den Kaiserhof nach Trier berufen. Wenn die Mosella im Jahr 371 verfasst worden ist, müssen die darin festgehaltenen Eindrücke der Landschaft auf den Dichter noch ganz frisch gewesen sein. Mit wachen Augen und tiefem Empfinden wird er die Bilder der Landschaft und die Begegnungen mit der Bevölkerung in sich aufgesogen haben. Eine wiederholte Lektüre der Mo- sella mag selbst in den Übersetzungen immer wieder lohnend sein und neue Einsichten zwischen den einzelnen Verszeilen und sogar Worten offen- baren. Wie der Philologe und der Historiker aus einem spezifischen Betrachtungswinkel den Text lesen, so kann auch der Einheimische aus der intimen Kenntnis seiner Heimat dem Text seine eigenen Entdeckungen abgewinnen. Mit diesem Ansatz seien zwei Pas- sagen in der Mosella betrachtet, in de- nen Ausonius zwei für uns besonders interessante Berufsgruppen einander gegenüberstellt: die Moselwinzer (Vers Porträt eines Funktionsträgers am Trierer Kaiserhof mit Zuschreibung an Ausonius. 2. Hälfte 4. Jh. (Goethert 2007) Foto: RLM Trier, Thomas Zühmer