93 1 Für die Unterstützung und Erlaubnis der Publikation der Sta- tuette danken wir dem Museumsdirektor Yılmaz Akkan, dem Kurator für Skulptur und Steinartefakte Funda Ertuğrul und dem Kurator für Terrakotten Şenay Çekilmez. Unser Dank gebührt ferner dem Direktor der Antikensammlung der Staat- lichen Museen zu Berlin Andreas Scholl und dem zweiten Direktor Martin Maischberger für den Zugang zu den Gra- bungsarchiven über die Ausgrabungen in Myus durch Theodor Wiegand. Diese Studie konnte ermöglicht werden durch eine Bibliotheksrecherche von Murat Çekilmez in der Bibliothek des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen. Für die Unterstützung sei den Mitarbeiter*innen des DAI Athen sowie Felix Pirson DAI Istanbul gedankt. Für die Finanzierung einer Forschungsreise von Sabine Neumann zu der archäologischen Stätte von Myus und in die Museen von Izmir und Aydın sei Winfried Held und dem Archäologischen Seminar der Universi- tät Marburg herzlich gedankt. Weiterhin danken wir Frank Hu- lek von der Universität Köln und Bekir Özer von der Univer- sität Muğla für anregende Diskussionen der Befunde vor Ort. Für die Aufnahme dieses Beitrags im Marburger Winckelmann- Im Jahr 1966 fand Hans Weber in seiner Ausgrabung auf der unteren Tempelterrasse in Myus eine archaisch- zyprische Kalksteinstatuette, die er in seinem ein Jahr später erschienenen Ausgrabungsbericht lediglich kurz erwähnte und mit einer schwarz-weißen Fotografe abbildete 2 . Die Statuette wurde im Anschluss an die Ausgrabung mit den weiteren Funden in das Archä- ologische Museum von Aydın verbracht, in dessen Magazin sie sich bis heute befndet 3 . Während die bei- den archaischen Tempel in Myus, von denen der ältere mit einem Wagenlenkerfries geschmückt war 4 , in der Forschung gut bekannt sind, haben das Heiligtum und die zahlreichen dort gefundenen archaischen Skulptu- ren bislang wenig Aufmerksamkeit erfahren. Die Studi- en von Murat Çekilmez und Suat Ateşlier zu den Terra- kotten 5 und Skulpturen aus Myus im Archäologischen Museum von Aydın und die Untersuchung von Sabine Neumann 6 zu den von Theodor Wiegand in Myus gefundenen und nach Berlin verbrachten Skulpturen im Rahmen des Gesamtkatalogs der Skulpturen der Antikensammlung der Berliner Museen gaben Anlass, auch die von Weber gefundene zyprische Kalkstein- statuette genauer zu untersuchen. Im Folgenden soll die Statuette erstmals im Detail beschrieben, zeichne- risch dokumentiert und ikonographisch sowie chrono- logisch bestimmt werden. Bei der Statuette handelt es sich wohl um einen zyprischen Export und somit um ein Zeugnis interkultureller Kontakte der Ostägäis mit Zypern um die Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Durch ihre Funktion als Votiv im Heiligtum von Myus stellen sich dabei insbesondere Fragen nach der reli- giösen Identität des/der Weihenden, denen hier nä- her nachgegangen werden sollen. Im zweiten Teil des Beitrags sollen schließlich das Heiligtum von Myus in seiner topographischen und baulichen Gestalt näher betrachtet und die dort gefundenen archaischen Skulp- turen kontextualisiert werden. Dazu wird am Ende ein Appendix aller uns bekannten aus Myus stammenden archaischen Skulpturen angeschlossen. Die zyprische KalKsteinstatuette Die Statuette ist in einer Höhe von 20,7 cm und einer Breite von 12,8 cm erhalten 7 . Dargestellt ist ein auf- recht stehender, junger, bartloser Mann (Abb. 1–5). Der Kopf und der obere Teil des Rumpfes sind erhal- ten geblieben, während der rechte Ellenbogen und der untere Teil des Körpers ab dem Bauch fehlen. Kopf und Torso wurden als zwei Bruchstücke gefunden 8 und im Zuge der modernen Restauration zusammengefügt. Die Zugehörigkeit ist aufgrund der Anpassung Bruch an Bruch unzweifelhaft. Die gesamte Figur weist meh- rere Brüche und Bestoßungen auf, so an der Kopfbe- deckung, der Nase, dem rechten und linken Arm sowie der rechten Hand. Stellenweise ist die Oberfäche ver- sintert. Die Statuette ist modern gesockelt. Sabine Neumann – Murat Çekilmez – Suat Ateşlier Programm danken wir den Herausgeber*innen Heide Froning, Winfried Held und Rita Amedick. Für die Anfertigung einer Rekonstruktionszeichnung der Statuette danken wir Ralf Seidl. Für eine kritische Durchsicht und viele gute Tipps danken wir Rita Amedick. Mert Özbiligin sei für die türkische Übersetzung gedankt. Den Satz übernahm freundlicherweise Martina Klein. 2 Weber 1967a, 143 Taf. 9,1. Eine kurze Erwähnung der Statuette findet sich bei Schmidt 1968, 113, in seiner Publikation über die zyprischen Skulpturen von Samos. Ferner in der Publikati- on von Kourou – Karageorghis u. a. 2002, 7. 3 Aydın, Archäologischen Museum, Inventarnummer 1714. 4 Vgl. den Beitrag von Katrin Euler in diesem Band. 5 Die Publikation der von Weber in Myus gefundenen Terrra- kotten ist in Vorbereitung. 6 Neumann 2019. 7 Weitere Maße: Höhe des Kopfes: 8,7 cm, Breite des Kopfes: 7,1 cm, Höhe der Augen: 1,2 cm, Breite der Augen: 2,2 cm, Höhe der Ohren: 3,5 cm, Breite der Ohren: 2 cm, Breite des Nackenhaars: 6,4 cm, Breite der Schultern: 12,8 cm, Breite des Torsos: 10,1 cm. 8 Weber 1967a, 143. Eine zyprische Kalksteinstatuette aus dem archaischen Heiligtum in Myus (Türkei) – interkulturelle Beziehungen und religiöse Identitäten in der Ostägäis 1