Quelle: Wolf, D. / Reiner, S. / Eicker-Wolf, K. (Hrsg.), Auf der Suche nach dem Kompaß, Politische Ökonomie als Bahnsteigkarte fürs 21. Jahrhundert, Köln (PapyRossa) 1999 (DM 44,00), S. 53-71. Zur Vermarktung des Rechts: Anmerkungen zum Coase-Theorem Von Fritz Helmedag Allen früheren Unkenrufen zum Trotz marschiert der Kapitalismus weltweit nach vorn. Georg Fülberth legte in einer Analyse dar, woran die voreiligen Un- tergangsprognosen kranken (vgl. Fülberth 1992). Wie der Feudalismus (vgl. ebd.: 124 ff.) hat der Kapitalismus verschiedene Phasen durchlaufen, die teil- weise einen tiefgreifenden Wandel bewirkten, ohne jedoch die Gesellschafts- formation „aufzuheben“. Politik und Ökonomie sind interdependente Systeme, die auf Anpassungsbedarf der Zeitläufte reagieren. Um so mehr erstaunt es, wie wenig man davon in der gängigen wirt- schaftswissenschaftlichen Literatur erfährt. In großen Teilen wird statt dessen der Eindruck einer universellen Gültigkeit der Marktgesetze erweckt: Seit je- her und allerorts determinieren angeblich Angebot und Nachfrage das Wirt- schaftsgeschehen. Aber Ökonomie entfaltet sich in Wirklichkeit niemals im institutionellen Vakuum. Wer diese Tatsache ausblendet, produziert Ideologie. Das zu enthüllen zählt zu den vornehmsten Aufgaben kritischer Wissenschaft. Forscher mit einem breiteren Blickwinkel hat die wechselseitige Verflech- tung von Politik und Wirtschaft hingegen immer interessiert. Daher bietet es sich für einen Ökonomen an, das sog. Coase-Theorem zu beleuchten, denn es macht eine Aussage zur Bedeutung der rechtlichen Rahmensetzung – und da- mit von Politik – für die Effizienz von Märkten. Zudem hat dieses Theorie- stück eine beachtliche Bedeutung zur argumentativen Unterfütterung der marktradikalen Deregulierungswelle seit Ende der 70er Jahre erlangt (vgl. Fül- berth 1993: 149). Wir werden die Botschaft im kommenden unter die Lupe nehmen und prüfen, was Coase sagte, wie es ausgelegt wurde und wozu es schließlich gebraucht werden kann. Dabei wird sich ein genaueres Quellenstu- dium als hilfreich erweisen.