Bulletin d'Analyse Phénoménologique Recensions (décembre 2019) Article https://popups.uliege.be/1782-2041/index.php?id=1131 Alexander Nicolai Wendt (Universität Heidelberg) Guido Cusinato, Biosemiotica e psicopatología dell’ « ordo amoris ». In dialogo con Max Scheler, Milano, Franco Angeli, 2018, 292 pages. ISBN : 9788891780645. Prix : 33 €. Guido Cusinato ist gegenwärtig einer der tiefsten Kenner und Interpreten Max Schelers. Im Zuge der letzten Jahrzehnte hat er nicht nur in seiner Amtszeit als Präsident der Max-Scheler-Gesellschaft einen wichtigen Beitrag zur Überlieferung und Erweiterung der Forschung zu Scheler geleistet, sondern in seinem Œuvre eine eigenständige Lesart der Schelerianischen Werke entwickelt. Die vorliegende Arbeit gliedert sich deswegen in den Zusammenhang verschiedener vorheriger Arbeiten ein, insbesondere der ins Deutsche übertragenen Arbeit „Person und Selbsttranszendenz. Ekstase und Epoché des Ego als Individuationsprozesse bei Schelling und Scheler“ (2012, Königshausen & Neumann). Zum Verständnis von „Biosemiotica e psicopatología dell’ordo amoris“ ist vornehmlich die argumentative Kontinuität von Cusinatos philosophischen Reflexionen bedeutsam, ein grundsätzlich neuer Beitrag ist hingegen die Kontaktaufnahme mit Psychiatrie und Psychopathologie. Der philosophische Grundgedanke des Werkes ist die Autonomie des lebendigen Organismus gegenüber der linearen Naturkausalität. Cusinatos Ansinnen ist, verschiedenen zeitgenössischen Auffassungen, wie dem Emergentismus, den Standpunkt einer in der Natur stufenontologisch manifestierten Freiheit entgegenzustellen. Dabei schließt er an Friedrich Wilhelm Schelling mit der Auffassung an, dass es eine „nicht-mechanische physische Kausalität“ (S. 28) gäbe. Bei Schelling heißt es entsprechend: „Diese Causalität heißt Leben. — Leben ist die Autonomie in der Erscheinung, ist das Schema der Freiheit, insofern sie in der Natur sich offenbart“ (Schelling, 1856, 249). Mit Thomas Fuchs denkt Cusinato diese Kausalität als „vertical and horizontal circular causality“ (Fuchs, 2017, 95) im Sinne von „embodied freedom“, stellt also der Linearität der anorganischen Kausalität eine zirkuläre gegenüber. Maßgeblich ist für Cusinato dabei, den zeitlichen Zusammenhang nicht als Sukzession, sondern als Simultanität in einem geschlossenen System