Orthopäde 2009 · 38:962–969
DOI 10.1007/s00132-009-1475-x
Online publiziert: 30. Juli 2009
© Springer Medizin Verlag 2009
A.S. Spiro
1, 2
· J. Zustin
3
· C. Habermann
4
· N.M. Meenen
1, 2
· G. Sauter
3
· M. Amling
1,
2
· J.M. Rueger
1, 2
· M.H. Priemel
1, 2
1
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie,
Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf
2
Zentrum für Biomechanik und Skelettbiologie, Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand
und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
3
Institut für Osteopathologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
4
Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
Osteoidosteom
Minimal-invasive, bildwandlergesteuerte
Resektion und histopathologische Diagnose-
sicherung mittels Diamanthohlfräsen
Originalien
Hintergrund und Fragestellung
Beim Osteoidosteom, welches erstmalig
1930 durch Bergstrand beschrieben und
1935 von Jaffe [1] als eigene Entität er-
kannt wurde, handelt es sich um eine be-
nigne osteoblastische Läsion. Das Osteoid-
osteom ist charakterisiert durch einen Ni-
dus, welcher makroskopisch ein rötlich
gefärbter weicher oder spongiöser Herd
ist und in der Regel einen Durchmesser
von <1,5 cm hat [2]. Um den Nidus fin-
det man eine unterschiedlich stark aus-
geprägte Sklerosierung des Knochens [3,
4, 5].
Klinisch auffällig wird das Osteoidos-
teom durch einen z. T. über Wochen und
Monate anhaltenden starken, typischer
Weise nächtlichen Schmerz, der eine Bes-
serung durch nichtsteroidale Antirheu-
matika (NSAR) erfährt. Letzteres lässt
sich durch die Prostaglandinproduktion
des Nidus erklären [19]. Das Prädilekti-
onsalter liegt in der 1. bis 3. Lebensdeka-
de. Die häufigste Lokalisation des Osteoid-
osteoms ist das Femur, gefolgt von der Ti-
bia sowie dem Fuß- und dem Handske-
lett (. Abb. 1).
Die Diagnose eines Osteoidosteoms
lässt sich in einer Mehrzahl der Fälle
durch eine exakte Anamnese in Kombi-
nation mit einer nativen und computer-
tomographischen Röntgenuntersuchung
stellen. Eine Skelettszintigraphie, die im
typischen Fall eine Mehranreicherung im
Bereich des Nidus zeigt, sowie eine Ma-
gnetresonanztomographie sind zwar nicht
regelhaft notwendig, können jedoch diffe-
rentialdiagnostisch außerordentlich hilf-
reich sein. Wenn die Diagnose eines Os-
teoidosteoms als sicher gilt, kann ein kon-
servativer Therapieversuch unternom-
men werden. Winkelmann et al. [6] be-
schreiben Fälle, die mittels NSAR erfolg-
reich behandelt wurden und letztendlich
selbstlimitierend waren. In der Regel wird
jedoch eine vollständige Entfernung des
Nidus und damit unmittelbare Heilung
angestrebt.
Klassischer Weise wurde eine offene
chirurgische Entfernung des Nidus vor-
genommen, wobei die Sklerose abgetra-
gen und der Nidus unter Sicht küret-
tiert werden konnte [7, 8, 9]. Alternativ
erfolgte eine nicht weniger invasive En-
bloc-Resektion. In beiden Fällen gelang
es nicht immer, den Nidus auch wirk-
lich zu entfernen bzw. ihn histologisch
nachzuweisen. Außerdem führte die In-
vasivität der Methoden zu einem länge-
ren Krankenhausaufenthalt und zu einer
Schwächung des betroffenen Knochens.
Letzteres machte eine Teil- oder Entlas-
tung der betroffenen Extremität notwen-
dig. Postoperative Frakturen wurden bei
einem offenen chirurgischen Vorgehen
in bis zu 4% der behandelten Patienten
beobachtet [7].
In den letzten 10–15 Jahren wurden
minimal-invasive, perkutane und CT-ge-
steuerte Verfahren zur Entfernung des
Nidus optimiert. Zu nennen wären hier
die Thermoablation des Nidus entwe-
der durch Radiofrequenz- oder Laserson-
den [10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20,
21, 28]. Auch das Anbohren oder Ausfrä-
sen ist beschrieben [11, 22, 23, 24]. Zum
Teil wurden die einzelnen Verfahren zu-
sätzlich mit einer Alkoholinjektion in die
Nidushöhle verbunden [14, 22, 29]. Allen
Verfahren ist die geringe Invasivität, ver-
bunden mit einer hohen therapeutischen
Erfolgsrate gemeinsam. In der Mehrzahl
der Fälle wurde oder musste methoden-
bedingt auf eine histologische Sicherung
der Diagnose verzichtet werden bzw. der
histologische Nachweis eines Osteoidos-
teoms gelang am gewonnenen Material
nicht [10, 12, 13, 14, 16, 17, 18].
Ob eine Biopsie zur Abgrenzung mög-
licher Differentialdiagnosen zwingend
notwendig ist, muss sicher von Fall zu Fall
entschieden werden.
Aus rein röntgenologischer Sicht kom-
men differentialdiagnostisch all jene Pro-
zesse in Frage, die mit einer stärkeren re-
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