Feinde zu Gegnern und Gegner zu Feinden Feindbilder als transnationale Gedächtnis stabilisierende Kategorie in Zentraleuropa SIMON HADLER / J OHANNES FEICHTINGER Manche Feinde sind uns noch lebhaft in Erinnerung, andere aber nicht. Der größte Feind waren in manchen Regionen Zentraleuropas einst die Türken und für viele sind sie es noch immer. Doch kein Österreicher würde heute in den Schweden Feinde sehen, auch wenn sie es einst waren. Noch vor hundert Jahren war dieses Bedrohungsbild jedoch nicht weniger verblasst als das der Türken. Warum bleiben also manche Gegner Feinde und andere nicht? Dieser Frage wird im Folgenden anhand zweier Gedächtnisstränge nachge- gangen: Die Erinnerung an die militärischen Konflikte zwischen dem Habsbur- ger und dem Osmanischen Reich sowie an die Bedrohung durch schwedische Truppen in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges. Dabei wird sich zei- gen, dass Feindbilder erstens eine wichtige Gedächtnis stabilisierende Kategorie darstellen; dass zweitens jede militärische Gegnerschaft im Rückblick und an- lassbezogen für die Feindbildproduktion missbraucht werden kann; und dass Feindbilder drittens als Gedächtnis stabilisierende Kategorie dysfunktional wer- den können, ohne dass dabei historische Gegnerschaft vergessen wird. Historische Gegner werden in der am schärfsten vorstellbaren Form durch Feindbilder repräsentiert und im kollektiven Gedächtnis verankert. Das Attribut national beziehungsweise transnational benennt den Zweck von Feindbild- konstruktionen, nämlich mit Wertzuschreibungen verknüpfte Abgrenzungsvor- gänge. Die zentrale Frage lautet nun: Warum und wie konnte durch manche vor- gestellte Feinde ein nationales bzw. transnationales Gedächtnis stabilisiert wer- den, durch andere aber nicht?