NEUE HISTORISCHE LITERATUR / BUCHBESPRECHUNGEN 19.–21. JAHRHUNDERT 287 Trennung von Geist und Körper“ analysiert. Auch seine differenzierte Analyse des israelischen Deutschlandbilds lässt den Sport nicht außen vor. Neben dem Berlin- Hype unter jungen Israelis und dem literarischen Erfolg von Autoren wie Hans Fal- lada und Bernhard Schlink beschreibt Zimmermann den Wandel in der Fußball- begeisterung. Während noch vor wenigen Jahrzehnten die Israelis einig in ihrer Ablehnung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei allen internationalen Turnieren waren, begeistern sich heute viele für ihre Erfolge. In dem lesenswerten biographischen Gespräch bezeichnet Zimmermann die Ge- schichtswissenschaft als angewandte Wissenschaft, die er als Lebensweg wählte, um etwas bewirken zu können. In der Tat hat der streitbare Historiker, der selbst vie- le erfolgreiche Schülerinnen und Schüler hervorgebracht hat, wichtige Diskussio- nen in der israelischen Öffentlichkeit anstoßen können. Angesichts einer erfolgrei- chen Historikerkarriere mag es nur ein kleiner Wermutstropfen sein, dass der isra- elische Sport nicht an die Erfolge seiner mitteleuropäischen Erben anknüpfen konnte und dass auch der Blick auf die Bundesliga den eingefleischten HSV-Fan Zim- mermann nicht besänftigen kann. Jenny Hestermann, Inszenierte Versöhnung. Reisediplomatie und die deutsch- israelischen Beziehungen von 1957 bis 1984. (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, Bd. 28.) Frankfurt am Main/New York, Campus 2016. 290 S., € 29,95. // doi 10.1515/hzhz-2018-1375 Ofer Ashkenazi, Jerusalem Jenny Hestermanns Buch ist ein bemerkenswerter Beitrag zu der sich intensivieren- den Forschung über die Geschichte der Beziehungen zwischen Israel und der Bun- desrepublik Deutschland. Sie bietet einen höchst informativen Überblick über die vielfachen Interaktionen zwischen den beiden Staaten und den historischen Bezugs- rahmen, in dem sich diese entwickelten. Die Untersuchung gründet sich auf drei sinnvolle Vorannahmen. Erstens spielten die persönlichen Beziehungen – oder die „persönliche Chemie“ (S. 11) zwischen führenden Politikern – eine wichtige Rolle bei der Ausbildung der staatlichen Beziehungen. Zweitens können diese bilateralen Beziehungen – ungeachtet des Einflusses der Nazi-Vergangenheit – nicht verstan- den werden ohne die Einbeziehung des weiteren historischen Kontextes, vor allem des Kalten Krieges, der deutschen Interessen im Mittleren Osten und der in den spä- Bereitgestellt von | European University Institute Angemeldet Heruntergeladen am | 18.10.19 05:34