Elisabeth Stark „Romance linguistics“ oder „Romance studies“? Transformationen einer Disziplin und Herausforderungen an ein neues Fach 1. Einleitung: Auf der Suche nach dem Hyperonym Dieser Beitrag 1 nimmt Stellung zu einer Frage, die die Organisator*innen des 33. Forums Junge Romanistik (15.–17. März 2017, Georg-August-Universität Göttingen) an meinen Kollegen Jörg Dünne (Erfurt) und mich gerichtet hatten in Vorbereitung der schriſtlichen Darlegung unserer Plenarvorträge. Die Frage betri die Konzeption der Romanistik einerseits als raumbezogenes Fach, das sich über den behandelten Sprachraum pluridisziplinär eint bzw. als philologisches Fach im herkömmlichen Sinne der deutschsprachigen For- schungstradition wirkt, d. h. Literatur- und Sprachwissenschaſt als binären disziplinären Kern des Faches versteht, oder als „untergeordnete Spezialisierung“, z. B. der Linguistik allgemein oder der Literaturwissenschaſt. Zwei weitere Fragen, die ich im Folgenden nicht separat beantworten, aber im Laufe meiner Ausführungen streifen werde, betreffen die Auswirkungen der „kulturwissenschaſtliche[n] Wende auf die Romanistik“ und ihr Verhältnis zu den immer stärker auommenden Digital Humanities. 2. Romanistik als Institut(ion) Bereits in der Fragestellung wird klar ersichtlich, dass unsere „Auf- gabensteller*innen“ den fundamentalen Unterschied zwischen einem Fach im akademisch-universitären Betrieb und einer Disziplin angewendet haben, ganz im Sinne vielfacher Ausführungen Wulf Oesterreichers (cf. etwa Oesterreicher 2014). Universitär-institutionell kann die Beibehaltung eines Fachs Romanis- tik durchaus sinnvoll sein, etwa im Hinblick auf die Lehrer*innenausbildung, auf die Integration genuin philologischer Lehrstühle in das Fach, auf die Pflege des aktiven Sprachgebrauchs romanischer Idiome, nicht zuletzt auf die Bewah- rung der Einheit von (interdisziplinären) Forschungen zur gesamten Romania. 1 Herzlich danken möchte ich Andreas Duſter und Georg Kaiser für wertvolle Hinweise zu früheren Versionen.