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Einleitung:
Warum ‚Erosion der Demokratie‘?
Friedbert W. Rüb, Veith Selk und Rieke Trimçev
Die hier versammelten Aufsätze von Michael Th Greven haben wir unter dem
Oberbegriff der ‚Erosion der Demokratie‘ zusammengestellt – in der Absicht,
nicht noch ein weiteres Buch zur vieldiagnostizierten ‚Krise der Demokratie‘ hin-
zuzufügen Zentral hierbei war die Überlegung, dass dem Begriff der Erosion an-
dere theoretische Prämissen zugrunde liegen und dass dieser folglich einen erheb-
lich anders akzentuierten Zugang ermöglicht als der gebräuchliche Krisenbegriff
Insofern versprechen die hier herausgegebenen Aufsätze einen neuen Blick auf die
gegenwärtigen Herausforderungen der Demokratie
Michael Th Greven verwendet die Semantik der Erosion in seinen letzten Pu-
blikationen prominent Der Begriff bündelt seine zeitdiagnostisch-kritischen Deu-
tungen der Demokratie Gleichwohl bleibt er in seinen Texten analytisch wie kon-
zeptionell etwas unscharf – möglicherweise, weil ihm keine Zeit mehr verblieb, die
in ihm enthaltenen Prämissen genauer auszuarbeiten Als demokratietheoretisches
Konzept muss er deshalb nachträglich aus seinen Texten rekonstruiert werden
Im Folgenden wollen wir dem Begriff der Erosion der Demokratie ein schär-
feres Profl verleihen, indem wir ihn zunächst mit den Konzepten einer Krise der
Demokratie einerseits und der Postdemokratie andererseits vergleichen, um dann
seine wesentlichen Merkmale herauszuarbeiten (I) Anschließend werden wir
einen Überblick über die hier versammelten Texte geben (II)
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F. W. Rüb et al. (Hrsg.), Die Erosion der Demokratie,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-27920-2_1