Zur Transformation der Monarchie von Aristoteles zu Ockham
KARL UBL – LARS VINX
Die aristotelische Politik läßt sich nur mit Schwierigkeiten einer systema-
tischen Interpretation unterziehen, die alle Abschnitte des Werks in einen
kohärenten Gedankenzusammenhang setzt. Dies gilt insbesondere für die
Theorie der Verfassungsformen, die in schwer durchschaubarer Weise
zwischen unterschiedlichen Fragestellungen hin- und herschwankt: der
Suche nach der besten Verfassung, der Suche nach der unter gegebenen
Umständen bestmöglichen Verfassung, der Frage nach den Ursachen des
Verfassungswandels und nach möglichen Techniken der Stabilisierung
(auch schlechter) politischer Ordnungen. Im Kontext der ohnehin problema-
tischen Verfassungstheorie ist die aristotelische Konzeption des Königtums
nach Meinung vieler moderner Interpreten besonders schwer verständlich
zu machen.
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Das Ziel unseres Aufsatzes besteht darin, die Reaktionen mittelalterli-
cher Interpreten auf die Schwierigkeiten der aristotelischen Theorie des
Königtums zu beleuchten. Dabei ist weder beabsichtigt, sämtliche Stel-
lungnahmen zum aristotelischen Königtum zusammenzutragen, noch die
einzelnen Autoren in voller Breite zu würdigen; vielmehr werden wir uns
auf die Geschichte eines spezischen Problems in der Rezeptionsgeschichte
beschränken, nämlich auf die Frage, wieweit die Kommentatoren die poli-
tische Philosophie des Aristoteles umformen mußten, um die Monarchie
nicht mehr wie in der Politik als ungewöhnlichen Grenzfall des Politischen,
sondern als gerechte und zeitgemäße Institution zu verstehen. Diese
Fragestellung ist nicht zuletzt deswegen aufschlußreich, weil die mittelal-
terliche Rezeption dem Konzept des Königtums zwangsläug ein beson-
deres Interesse entgegenbrachte. Auch sind die Ansichten des Aristoteles
© Koninklijke Brill NV, Leiden, 2002 Vivarium 40,1
Also available online – www.brill.nl
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Vgl. zum Problem F.D. Miller, Nature, Justice, and Rights in Aristotle’s Politics, Oxford
1995, 234-9; B. Yack, The Problems of a Political Animal. Community, Justice, and Conict in
Aristotelian Political Thought, Berkeley/Los Angeles 1993, 85-7; M.P. Nichols, Citizens and
Statesmen. A Study of Aristotle’s Politics, Savage/Maryland 1992, 72-81; W.R. Newell, Superlative
Virtue: The Problem of Monarchy in Aristotle’s Politics, in: C. Lord, D. O’Connor (Hg.), Essays
on the Foundations of Aristotelian Political Science, Berkeley/Los Angeles 1991, 191-211; R.G.
Mulgan, Aristotle’s Political Theory, Oxford 1977, 67-9 u. 82-8.