Elke Kaiser*, Oleg Tuboltsev, Norbert Benecke, Richard P. Evershed, Michael Hochmuth, Simona Mileto, Martin Riesenberg Der Fundplatz Generalka 2 der Jamnaja- Kultur in der Südukraine. Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen https://doi.org/10.1515/pz-2020-0021 Zusammenfassung: In diesem Beitrag wird der Fundplatz Generalka 2 auf der Insel Chortica bei der Stadt Zaporižžja in der Ukraine vorgestellt. Seit dem Jahr 2000 fnden hier regelmäßig Ausgrabungen statt, bei denen mehrere Gra- bensegmente freigelegt wurden. Die Funde, insbeson- dere die Keramik, sind typisch für die Jamnaja-Kultur (Grubengrabkultur) und auch die 14 C-Datierungen weisen in die erste Hälfte des 3. Jts. v. Chr. Zunächst wurde ver- mutet, dass hier eine Siedlung vorliegt, wie mehrere im Bereich der ehemaligen Dneprstromschnellen nördlich der südukrainischen Stadt Zaporižžja entdeckt worden sind. Neueste Feldforschungen weisen allerdings auf eine andere Kategorie von Denkmal hin. Grabenwerke sind aus verschiedenen Großräumen bekannt und als ‚causewayed enclosures‘ in der englischsprachigen Literatur beschrie- ben worden. Hier werden nun die Ergebnisse mehrerer natur- wissenschaftlicher Untersuchungen am Fundstof aus Generalka 2 vorgelegt. Für einen Fundplatz der Jamna- ja-Kultur, der keine Begräbnisstätte darstellt, wurde eine umfassende Analyse von über 10.000 Tierknochen vorge- nommen. Die 3.071 Knochen, die archäozoologisch einer Tierart zugeordnet werden können, lassen Rückschlüsse auf die Herdenzusammensetzung zu und belegen, dass Wildfauna nur eine untergeordnete Rolle in der Subsis- tenzbasis der Menschen zukam, die am unteren Dnepr im frühen 3. Jt. v. Chr. gelebt haben. Da auch zahlreiche Zähne von Wiederkäuern erhalten waren, wurden Isoto- penanalysen durchgeführt, um Hinweise auf das Herden- management zu erhalten. In einer weiteren Pilotstudie wurden Gefäßfragmente auf organische Rückstandsanaly- sen untersucht und die Ergebnisse mit den archäozoologi- schen Resultaten verglichen. Die hier erstmals vorgelegten und diskutierten Daten belegen eindrücklich das Potential für die Untersuchung eines solchen Steppenfundplatzes. Schlüsselworte: Jamnaja-Kultur, Archäozoologie, saiso- nale Mobilität, Pastoralismus, Isotopenanalysen, Graben- werk, Rückstandsanalysen, Herdenmanagement, Nord- schwarzmeergebiet, frühe Bronzezeit Résumé: Cette contribution présente le site Generalka 2 sur l’île de Khortytsia près de la ville de Zaporijjia en Ukraine. Des fouilles y sont menées régulièrement depuis l’année 2000 et ont mis au jour plusieurs tronçons de fossés. Les objets, surtout la céramique, sont caractéristiques de la culture Yamnaya (culture des tombes à fosse) et les data- tions au radiocarbone pointent vers la première moitié du 3 e millénaire av. J.-C. On a tout d’abord pensé être en pré- sence d’un habitat comme beaucoup d’autres découverts dans la région des rapides du Dniepr au nord de la ville de Zaporijjia dans le sud de l’Ukraine. Mais des recherches récentes sur le terrain indiquent qu’il s’agirait d’une autre catégorie de monument. Des systèmes de fossés ont été identifés dans diférentes régions et sont décrits comme des “causeway enclosures” dans la littérature anglophone. Cet article soumet les résultats de plusieurs études scientifques efectuées sur le matériel de Generalka 2. Une analyse approfondie de plus de 10.000 os d’animaux fut réalisée pour ce site de la culture Yamnaya qui n’est pas funéraire. Les 3071 os, que l’on peut attribuer à une seule espèce par l’archéozoologie, permettent de défnir Praehistorische Zeitschrift 2020; aop *Corresponding author: Elke Kaiser, Freie Universität Berlin, Institut für Prähistorische Archäologie, Fabeckstraße 23–25, 14195 Berlin, Germany. E-Mail: ekaiser@zedat.fu-berlin.de Oleg Tuboltsev, Nationales Naturschutzgebiet Chortica, Zaporižžja, Ukraine. E-Mail: olegtuboltzev@gmail.com Norbert Benecke, Naturwissenschaftliches Referat des Deutschen Archäologischen Institutes, Berlin, Deutschland. E-Mail: Norbert.Benecke@dainst.de Richard P. Evershed, School of Chemistry, University at Bristol, Great Britain. E-Mail: R.P.Evershed@bristol.ac.uk Michael Hochmuth, Naturwissenschaftliches Referat des Deutschen Archäologischen Institutes, Berlin, Deutschland. E-Mail: Michael.Hochmuth@dainst.de Simona Mileto, ERAAUB, Departament de Història i Arqueologia, Universitat de Barcelona, 08001 Barcelona, Spain. E-Mail: simona. mileto@gmail.com Martin Riesenberg, Institut für Prähistorische Archäologie, Freie Universität Berlin, Deutschland. E-Mail: martin.riesenberg@yahoo.de