207 In: Omnis amor incipit ab aspectu. Köszöntő könyv Jászay László 65. születésnapjára, ELTE BTK Szláv és Balti Filológia Intézet, Budapest, 2016: 207-216. Pátrovics Péter Po-, ein polyfunktionales Verbalpräfix im Polnischen Ein flüchtiger Blick auf die Fachliteratur über die polnischen Verbalpräfixe genügt um mit ziemlich großer Sicherheit feststellen zu können, dass es kein solches Präfix unter den polnischen Verbalpräfixen gibt, das so viel Interesse bisher erregt hat wie das po-. Nicht nur die klassische Studie von Agrell (1918) widmete diesem Vebalpräfix eine besondere Aufmerksamkeit, sondern auch Piernikarski (1969, 1975) befasste sich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten mit den mittels dieses Präfixes ausgedrückten polnischen Aspektoppositionen eingehend. Der berühmte polnische Aspektologe, Witold Śmiech erwähnte zwar dieses Präfix in seinem Buch über die verbale Derivation im Polnischen, aber nur Wacław Cockiewicz gelang es, die wichtigsten Funktionen von po- in seiner Monographie (1992) und in seinem etwas später in der Mitverfasserschaft erschienenen aspektuellen Wörterbuch (1995) ausführlich zu beschreiben und dieses Präfix als das formale Ausdrucksmittel u.a. der Delimitativität, der Deminutivität, und der Distributivität zu charakterisieren. Außer den oben erwähnten umfangreicheren linguistischen Arbeiten gibt es natürlich noch mehrere kürzere, die ausschließlich diesem Verbalpräfix gewidmet wurden (Kawka 1987: 177–184, Tabakowska 1999: 269–278, Anstatt 2003: 359–385, Piwowar 2003: 141–157). Das rege linguistische Interesse an po- ist kein Zufall. Zum einen hat dieses Präfix den höchsten Grad der Homonimität – mit anderen Worten: funktional gesehen ist es unter den polnischen Präfixen das Meistbelastete –, ferner auch als rein perfektivierendes Präfix hat po- in verschiedenen slavischen Sprachen, darunter auch in einigen russischen Mundarten (s. Rovnova 1997: 171–173) eine ziemlich große Karriere gemacht (dazu s. noch Habermann 1991, Krékits–Jászay 2008: 62–65, Králik 1997: 96–97, Stambolieva 2008: 132–133; für weitere interessante Informationen über das Präfix po- in der russischen Sprache der Gegenwart s. noch Jászay 2005: 64, Klobukov– Ryzhich 1998: 191). Dies trifft insbesondere auf das Polnische zu. Der vorliegende Aufsatz fußt größtenteils auf den Beobachtungen, die vor allem von Anstatt (2003), Piwowar (2003) und ihren Vorgängern Cockiewicz (1992) und Kątny (1994) gemacht worden sind. Er besteht aus zwei größeren Teilen. In de ersten Teil wird von der Morphologie und von dem aspektuellen Wert der po- Derivate die Rede sein, während in dem zweiten Teil die Funktionen von po- in der einschlägigen Literatur besprochen werden. Dabei wird ein Versuch unternommen, die Gründe der zunehmenden Expansion von po- zu erforschen und eine Antwort darauf zu finden, warum dieses Verbalpräfix seine dominierende Rolle als aspektuelles Perfektivierungspräfix im Polnischen festigen kann.