271 Funktionen und Folgen von Transparenz: Zum Fall Open Science Martina Franzen Zusammenfassung Der Ruf nach mehr Transparenz ist gegenwärtig in kaum einem Bereich lau- ter als in der Wissenschaft. Die Forderung nach Transparenz ist in diesem Fall besonders überraschend, als dass Wissenschaft im Unterschied beispielsweise zur Politik durch ihr institutionalisiertes Veröffentlichungsgebot immer schon an der Norm der Transparenz orientiert war. Im Programm von Open Science geht es jedoch um mehr als um die freie Zirkulation von Wissen durch Open Access. Die analytische Betrachtung dreier Fälle von Open Science (Nano-Pu- blikation, Open Data, Open Reviews) offenbart, dass Transparenzpraktiken wissenschaftliche Handlungsweisen derart sichtbar machen, dass sie durch Maschinen auslesbar werden. Die Transparenznorm befördert somit, so die These, die Automatisierung wissenschaftlichen Handelns. Diese mit der Trans- parenzwerdung einhergehenden Dynamiken sollen im vorliegenden Beitrag aus gesellschaftstheoretischer Warte näher bestimmt werden. © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 V. August und F. Osrecki (Hrsg.), Der Transparenz-Imperativ, https://doi.org/10.1007/978-3-658-22294-9_11 M. Franzen (*) Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Essen, Deutschland E-Mail: martina.franzen@kwi-nrw.de