In einer Traditionslinie mit Heinrich Himmler? Bösch, Frank / Andreas Wirsching, Andreas (Hrsg.), Hüter der Ordnung. Die Innenministerien in Bonn und Ost-Berlin nach dem Nationalso- zialismus, Göttingen 2018. 837 S., 69 Abb., geb., EUR 34,90. ISBN 978-3-8353-3206-5 Von Hans-Christian Jasch, Berlin Im letzten Jahr erschien eine über 800 Seiten umfassende Studie zum Bundesminis- terium des Innern – einem der wichtigsten Querschnittsressorts auf Bundesebene – und seinem Pendant in der DDR. Ziel dieser Studie, deren Untersuchungszeitraum 1969/70 endet, war es, Kontinuitäten sachlicher und personeller Natur „nach dem Nationalsozialismus“ in den Innenministerien der beiden deutschen Teilstaaten zu erforschen. Damit ist – aus öffentlichen Mitteln finanziert und in einem politischen Vorgaben folgenden Forschungsdesign – eine weitere voluminöse Studie zur Ministe- rialverwaltung der Nachkriegszeit entstanden. Den Anfang einer langen Reihe von Projekten der Auftragsforschung zu NS-Geschichte und NS-Belastung hatten seit den 1980er Jahren deutsche (und auch schweizer) Wirtschaftsunternehmen, Banken und Versicherungen gemacht, die ihre eigene Un- ternehmensgeschichte und die Verstrickung in die NS-Verbrechenskomplexe, insbe- sondere den Holocaust untersuchen ließen. 1 Dies geschah zumeist jedoch erst unter dem Druck von Sammelklagen in den USA. Erst unter diesem Druck wurden her- renlose Konten und Versicherungspolicen entschädigt. Später folgte die Entschädigung 1 Vgl. hierzu etwa die Studie zur Geschichte der Allianz: Feldman, Die Allianz und die deutsche Versicherungswirtschaft 1933 – 1945; München 2001, sowie die Selbstdarstellung des Kon- zerns heute: https://www.allianz.com/de/ueber-uns/wer-wir-sind/geschichte/allianz-im-natio nalsozialismus.html; Zu der schon in den 1980er Jahren beginnenden Aufarbeitung des Daimler Benz-Konzerns mit einer offiziösen Studie (Pohl/Habeth/Brüninghaus, Die Daimler- Benz AG in den Jahren 1933 bis 1945, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Beiheft 47 Wiesbaden 1986), die viel Kritik erntete und einer unabhängigen Studie, (Das Daimler-Benz- Buch. Ein Rüstungskonzern im „Tausendjährigen Reich“. Hrsg. von der Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts unter der Mitwirkung von Peter Barth, Helmuth Bauer, Rainer Fröbe, Thomas Gutmann, Klaus Heidel, Joachim Jungbeck, Peter Koppenhöfer, Karl Heinz Roth und Michael Schmid; Nördlingen 1987) s. Mommsen, Bündnis zwischen Dreizack und Hakenkreuz, in: Der Spiegel, 20/1987, S. 118 – 129. Zur heutigen Darstellung der Unternehmensgeschichte: https://www.daimler.com/konzern/tradition/geschichte/1933 - 1945.html. Recht und Politik, Jahrgang 55, Heft 4 (2019), 1 – 13 Duncker & Humblot, Berlin