1 Die Faszination Jugendlicher an Horrorfilmen 1 Gerhard Mayer „Das Böse hat Konjunktur.“ (Aus dem Umschlagtext zu Safranski: Das Böse oder Das Drama der Freiheit.) Der moderne Horrorfilm im Wandel der Bewertung Der moderne Horrorfilm fand anfänglich kaum Beachtung durch die Filmkritik. Eine morali- sche Bewertung der Inhalte scheint immer wieder das ästhetische Urteil überlagert zu haben, was zu einer generellen Abqualifizierung dieses Filmgenres geführt hatte. Wie in jedem Genre oder jeder Kunstgattung streut jedoch auch hier die Qualität der Erzeugnisse erheblich. Mit zunehmender zeitlicher Distanz zum anfänglichen Schockerlebnis, welches die ersten moder- nen Horrorfilme bereiteten, änderte sich auch der Blick der Filmkritik. Es läßt sich deutlich ein Wandel der ästhetischen Normen feststellen: Wurde ihnen anfänglich nur ‚Schundcharakter‘ zugesprochen, so werden einige der ersten Filme dieses Genres heute von vielen Kritikern als hochkarätige Werke eingeschätzt, mit denen eine eigene Bilder- bzw. Filmsprache entwickelt worden ist. Diese ‚frühen‘ Filme wurden von jungen avantgardistischen Intellektuellen ohne die Unter- stützung der großen Firmen gedreht, und es dauerte ein paar Jahre, bis die Filmindustrie auf- merksam wurde und ein großes Geschäft witterte. Der erste Film, der von einer Major Com- pany produziert wurde, war schließlich Der Exorzist (Friedkin, 1973). Mit dem Wandel der ästhetischen Normen konnte nun auch das Spiel mit dem Häßlichen, dem Schrecklichen und der Angst unter ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt werden 2 . In- zwischen werden ‚Errungenschaften des modernen Horrorfilms, also ursprünglich ihm eigen- tümliche Motive und Techniken, von anderen Filmgenres munter aufgegriffen und als ‚Würze‘ in die Produkte eingebaut. Das betrifft insbesondere das Spiel mit dem Ekel , also das Einfügen von sogenannten Splatter-Elementen. Definition und Abgrenzung zu anderen Genres Die Abgrenzung des Horror-Genres von andern wie z.B. Science Fiction, Fantasy oder Action ist schwierig, weil diese Genres viele Merkmale gemeinsam haben können. So finden wir in all den genannten Gattungen Gewaltdarstellungen, das Spiel mit Ängsten durch Aufbau von Thrill und Suspense, die Verwendung von Splatter-Szenen zur Erzeugung von Ekelgefühlen usw. als markante und schockierende Elemente eingesetzt. Gattungen bestehen nicht von 1 Dieser Aufsatz ist in einer leicht modifizierten Version als Kapitel 3 meiner Dissertation Risse im Alltäglichen. Die Rezeption okkulter Darstellungen in Filmen (Frankfurt am Main: Peter Lang, 2000) publiziert. 2 Ausnahmen gab es auch. So ist wohl die erste Splatter-Szene der Filmgeschichte im Film Der andalusische Hund (Buñuel & Dali, 1928) zu sehen, der sehr wohl als Kunstwerk unter ästhetischen Aspekten bewertet worden war.