ABHANDLUNGEN Jan Müller Idee undWahrheit Benjamins sprach philosophischer Beitrag undseineEinheit o. Benjamins sprachphilosophische Überlegungen sind die systematische Klammer seines Werks,1 gelten aber als so sperrig und >esoterisch<, dass sie ohne umfängliche historische Kontextualisierung unverständlich seien. 2 Dieser erstaunlich hartnäckigen Vormeinung folgend wurde Benjamins Sprachphilosophie zwar gekonnt in unterschiedlichste Traditionslinien Neben »Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen« [1916],in: ders.: Gesammelte Schriften, Bd. II, hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser (im Folgenden: GS), Frankfurt am Main 1991, S. 140-157, sind das die »Erkenntniskritische Vorrede« [1928] zum Trauerspielbuch, in: ders., GS, Bd. I.1, Frankfurt am Main 1991, S. 207-237; »Die Aufgabe des Übersetzers« [1923], in: ders., GS, Bd. IV.1, Frankfurt am Main 1991,S. 9-21; die »Lehre vom Ähnlichen« [1933], in: ders., GS, Bd. II.1, Frankfurt am Main 1991,S. 204-210, und »Über das mimetische Vermögen« [1933], in: ders., GS, Bd. II.1, Frankfurt am Main 1991, S. 210-213; schließlich »Probleme der Sprachsoziologie« [1935], in: ders., GS, Bd. III, Frankfurt am Main 1991, S. 452-480. Zu ihrem Zusammenhang vgl. etwa Walter Benjamin: Briefe, hg. v. Gershom Schalem u. Theodor W. Adorno, Frankfurt am Main 1978, S. 347, 371 u. 575, u. insg. Sven Kramer: Walter Benjamin zur Einführung, Hamburg 2003, S. 27 f. 2 So neben den Herausgebern der Gesammelten Schriften (GS, Bd. I.3, Frankfurt am Main 1991, S. 924 f.) exemplarisch Daniel Weidner: »Thinking beyond Secularization: Walter B,enjamin, the >Religious Turn,< and the Poetics of Theory«, in: New German Critique, Jg. 37,Heft 3, 2010(S. 131-148), S. 138, oder MichaelBröcker: Die Grundlosigkeit der Wahrheit. Zum Verhältnis von Sprache, Geschichte und Theologie bei Walter Benjamin, Würzburg 1993, S. 97. Vgl. insg. Uwe Steiner: »Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen«, in: Burkhardt Lindner (Hg.): Benjamin Handbuch. Leben - Werk - Wirkung, Stuttgart, Weimar 2011 (S. 592-602), S. 596 f. Solche Deutungen sind darin typisch, dass sie Benjamins Überlegungen als Rätsel empfinden, dessen >Schlüssel< jedenfalls nicht in ihrer eigenen Gedankenbewegung liegt - um den Preis, dass sie den Interpret''·innen nur jene Ideologeme zu spiegeln drohen, die als ,Einflussquellen< in die Deutung investiert werden.