Das innere Team Reflexionsprotokoll einer Beratungssimulation Frank G. Dutine FOM Hochschule für Oekonomie und Management Mit dem Modell des „inneren Teams“ hat Schulz von Thun (1998) ein Werkzeug geschaen, welches die innere Pluralität des Menschen visualisiert und personalisiert. Grundgedanke im therapeutischen Ansatz ist die systemische Identifikation mit verschiedenen Persönlichkeitsa- spekten, welche gemeinsam als Team zu einer situationsgerechten und stimmigen Kommu- nikation beitragen können. In vorliegendem Reflexionsprotokoll wird der Einsatz des inneren Teams anhand einer Beratungssimulation dargestellt und erläutert. Die strukturierte Selbst- und Fremdreflexion des Beraters dient der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Prozess- bewusstseins. Schlussfolgernd werden die Erkenntnisse in die Praxis übertragen. Schlüsselwörter: Kommunikationspsychologie, Reflexion, Coaching, Beratung, Persönlichkeit „Faust klagt über die zwei Seelen in seiner Brust; ich be- herberge aber eine ganze Menge, die sich zanken. Es geht da zu wie in einer Republik“ (Otto von Bismarck, zitiert nach Parr, 1992, S. 125). Theoretische Grundlagen Wo Menschen kommunizieren und interagieren, entste- hen Unklarheiten, Missverständnisse und Konflikte. In der kausalen Ursachenforschung werden dabei zumeist die Ak- teure selbst beobachtet bzw. untersucht, auf welchen Ebenen der Kommunikation die Unstimmigkeiten entstehen. Mit der Methode des „Inneren Teams“ hat Friedemann Schulz von Thun (1998) ein persönlichkeitsanalytisches Instrument ent- wickelt, um die Interdependenz zwischen Person und Kom- munikation zu beschreiben. Das Modell dient als Weiter- entwicklungsmöglichkeit, intrapsychische Prozesse visuell zugänglich und begreifbar zu machen. Verwandte Theori- en sind unter anderem die Ego-State-Therapie (Reddemann & Sachsse, 1996; Watkins & Watkins, 1997) sowie Ansät- ze nach Peichl (2010) und das Internal Family System nach Schwartz (2011). Allen gemein ist das Prinzip, psychische Dispositionen zu personalisieren und therapeutisch mit dem Klienten in Dialog zu treten. Mittels gradueller Disidentifi- kation erhält dieser das Werkzeug, sich seiner inneren Plu- ralität bewusst zu werden, übergeordnete Blickwinkel ein- zunehmen und damit einen Impuls sowohl identitätsgemäß und authentisch, als auch situations- und systemgerecht zu kommunizieren (Schulz von Thun, 1998, S. 15). Die Grundidee des inneren Teams besteht in der Visua- lisierung der Persönlichkeitsdispositionen (Sekundärperso- nen) durch den Klienten selbst. Mittels dieser Technik wird das Problem von dessen primärer Person abstrahiert und kann gesondert analysiert werden. Unter der Annahme, ein inneres Team verhalte sich analog zu einem realen Team, werden insbesondere die zugrunde liegende Gruppendyna- mik, Gruppenfindungs- und Lösungsprozesse (vgl. Tuckman & Jensen, 1977) sowie die Repräsentation nach innen und nach außen dierenziert. Schulz von Thun (1998) fasst als Parallelitätsthese zusammen: Die innere Dynamik im Seelenleben des Menschen entspricht in weiten Teilen der Dynamik, wie sie sich in Gruppen und Teams ereignet. Das Geheimnis für ein produktives Arbeits- und Seelenleben (mit Eektivität nach außen und gutem «Betriebsklima» nach innen) liegt im gelungenen Zusammenspiel von kooperativer Führung und Teamarbeit. (S. 66) In der Aufgabe des Oberhaupts (Primärperson) liegt es, je nach Situation eine entsprechende Aufstellung der Teil- nehmer zu positionieren um diese adäquat zu lösen. In all- täglichen Herausforderungen entstehen dabei bisweilen am- bivalente Haltungen. Die Einnahme der Metaperspektive erlaubt es, verschiedene Sekundärinstanzen wahrzunehmen oder neue zu entdecken. Erhebungsverfahren Die Erhebung der inneren Teammitglieder ist sowohl kontext- als auch personenabhängig zu betrachten. Aufgrund des eher phänomenologischen Ansatzes ist eine einheitliche Erhebungsmethode nicht definiert. Die Konstruktion kann beispielsweise durch Erfragung von Gefühlen, Denkmustern oder Verhaltensabsichten initiiert werden. Stark aektiv oder kognitiv formulierte Aussagen bieten einen möglichen An- satz, die dafür ursächliche Disposition zu eruieren. Der Bera-