Vorträge zur Jahrestagung der DGfZ-Tagung in Hohenheim
Züchterische Möglichkeiten zur Verbesserung der Tiergesundheit
H. H. Swalve
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1 Einleitung
Die Definition des Begriffes Gesundheit ist nicht unproblematisch. Eine mögliche Defi-
nition ist das ’Freisein von Krankheiten’. Die Gesundheit ist die Grundlage für das Wohl-
befinden der auf den landwirtschaftlichen Betrieben gehaltenen Tiere und somit auch
im Sinne des Tierschutzes von höchster Relevanz. Die Tiergesundheit umfasst ferner die
Stoffwechselstabilität und wirkt sich auch hinsichtlich der Produktqualität aus. Die Ge-
samtheit der genannten Bereiche ist schließlich auch maßgeblich entscheidend für den
betriebswirtschaftlichen Erfolg der Nutztiere haltenden Betriebe.
Der Zusammenhang zwischen den Bereichen Tierschutz, Tiergesundheit, betriebs-
wirtschaftlichem Erfolg und Produktqualität ist durch eine Fülle von Quellen hinsicht-
lich vieler Krankheiten belegt. Beim Milchrind ist die dominierende Krankheit der
Milchkuh die Mastitis. Kühe mit akuten Mastitiden zeigen erhöhte Gehalte an somati-
schen Zellen in der Milch, die u. U. so erhöht sein können, dass die produzierte Milch
den Ansprüchen einer Mindest-Verarbeitungsqualität nicht mehr genügt. Schätzungen
für das Auftreten von Mastitiserkrankungen gehen weit auseinander; je nach Betrieb
können sie zwischen wenigen erkrankten Kühen je Betrieb und Laktation und einer fast
vollständigen Durchseuchung des Bestandes liegen. Von einem Auftreten in der Grö-
ßenordnung von 20 bis 50 % je Kuh und Laktation muss wohl ausgegangen werden. In
einer eigenen Untersuchung (Schafberg et al., 2006) lag die Anzahl der bakteriolo-
gisch positiven Proben in einem typischen Großbetrieb Thüringens bei 28,7 %.
Minkus et al. (2004) fanden in einer Untersuchung an 2.386 Mastschweinen bei einem
Drittel der geschlachteten Tiere starke Lungenschäden. Das Fleisch der Tiere mit Lun-
genveränderungen wies eine ungenügende Absenkung des pH-Wertes (pH
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) – vergli-
chen mit einer „normalen“ Fleischreifung im Sinne einer DFD-Kondition – auf. Selbst
unter den bezüglich der Umweltgestaltung als günstig zu beurteilenden Bedingungen
der zentralen dänischen Mastprüfungsanstalt mussten Henryon et al. (2001) feststel-
len, dass 24 % der betrachteten 13.551 Schweine irgendeine Erkrankung aufwiesen,
wobei Fundamentprobleme die wichtigste Krankheitsgruppe darstellten.
Allgemein ist anzuführen, dass die Gesundheit – mit Ausnahme von vererbbaren
Erkrankungen – überwiegend durch die Gestaltung der Umwelt beeinflusst wird. In
Abhängigkeit vom betrachteten Parameter (Erkrankung, sonstiger mit der Gesundheit
zusammenhängender Parameter) sowie insbesondere in Abhängigkeit von der Struktur
des Datenmaterials und der Erfassungsgenauigkeit kann jedoch häufig auch eine gene-
tische Prädisposition nachgewiesen werden. Somit ergibt sich grundsätzlich eine Fülle
von züchterischen Möglichkeiten, die unbedingt genutzt werden sollten.
Züchtungskunde, 80, (1) S. 5 – 10, 2007, ISSN 0044-5401
© Eugen Ulmer KG, Stuttgart
1 Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften, Arbeitsgruppe Tierzucht, Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg, Adam-Kuckhoff-Str. 35, 06108 Halle (Saale), E-Mail: her-
mann.swalve@landw.uni-halle.de