1 Die Alltäglichkeit des Sprachenlernens: Neue Wege unter TeleMediabedingungen 1 Kurt Kohn, Universität Tübingen 1. Einleitung Sprachenlernen ist ein Grundbedürfnis unseres alltäglichen Lebens - wie das Atmen und Essen, das Lieben und Sterben. Und es ist von gleicher alltäglicher Relevanz. Sprachenlernen ist ebenso alltäglich und selbstverständlich wie Spra- che und sprachliche Kommunikation. Aber es dient diesen beiden. Sprachen- lernen ist sekundär; Primat haben Sprache und Kommunikation. Und das heißt auch: Sprachenlernen hat die Aufgabe, Kommunikation zu ermöglichen. 2. Forderungen Aus dieser Konstellation ergeben sich wichtige Forderungen für eine kommuni- kative Orientierung und Ausrichtung des alltäglichen Sprachenlernens. Dabei geht es insbesondere um die Ermöglichung und Unterstützung kommunikations- relevanter Lernaktivitäten, um authentische Lernmaterialien und Verwendungs- situationen, sowie um Formen des autonomen und selbstorganisierten Lernens. Diese Forderungen spiegeln sich in der Entwicklung der neueren Sprachlehr- forschung und Sprachlehrpraxis. Seit den frühen 70er Jahren wird der kommuni- kativen Dimension von Sprache zunehmend Geltung verschafft. Auch wenn es über den didaktischen Weg zum Teil unterschiedliche Vorstellungen gibt, so besteht doch darin Einigkeit, daß mit dem Lernziel der kommunikativen Kompe- tenz eine verstärkte Ausrichtung des Lehrens und Lernens an authentischen Lerninhalten und kommunikationsrelevanten Methoden und Übungsformen ein- hergehen muß (vgl. Canale & Swain, 1980; Richards & Rodgers, 1986; Wid- dowson, 1985). Ein komplementärer Entwicklungsschub wird von der Einsicht geleitet, daß Erfolg beim Sprachenlernen nicht zuletzt auch davon abhängt, wieweit und in 1 In Voß, G.G., Holly, W. & Boehnke, K. (Hrsg.) (2000). Neue Medien im Alltag. Begriffsbestimmungen eines interdisziplinären Forschungsfeldes. Leverkusen: Leske + Budrich, 237-255.