hund. parasitologie Zoonotische Nematoden-Infektionen des Hundes - Ausbreitung von Thelaziose und kutaner Dirofilariose Torsten J. Naucke, Johannes Magnis, Herbert Auer, Manuela Schnyder Die Liste praxisrelevanter, durch Vekto- ren übertragener Infektionskrankheiten des Hundes (CVBDs) wächst stetig. Ursa- chen sind die Ausbreitung von Vektoren und die Einschleppung von Erregern, potenziell begünstigt durch den Klima- wandel, insbesondere aber durch die Haltergewohnheiten (Mitnahme des Hundes auf Reisen, Importe von „Tier- schutzhunden"). Gerade bei zoonotisch bedeutsamen Krankheiten ist in der Praxis erhöhte Wachsamkeit geboten, um mit den gegebenen Optionen in Prophylaxe und Therapie dieser CVBDs eine Endemisierung zu verhindern. Die Liste möglicher Canine Vector-borne Diseases (CVBDs) bei Hunden in Deutsch- land ist durch erste autochthone Fälle der Thelaziose (hervorgerufen durch den Augenwurm Thelazia callipaedä) und der kaninen kutanen Dirofilariose (verursacht durch Dirofilaria repens) zu ergänzen. Das Verbreitungsgebiet des Augen- wurms weitet sich offenbar zunehmend nach Norden aus, und Dirofilaria repens wird vermehrt durch „Tierschutzhunde" nach Deutschland importiert. Beide Hel- minthosen haben Zoonosepotenzial. Endemisierung von Dirofilaria repens Beim Stichwort „Filarien" steht derzeit zwar primär der Herzwurm Dirofilaria (D.) immitis im Fokus der Veterinärmedizin. Je nach Reise- bzw. Herkunftsland wird je- doch D. repens mindestens doppelt so häu- fig im Labor nachgewiesen. Beiden gemein- sam ist ihr Zoonosepotenzial, das aber bei D. repens wesentlich bedeutender ist. Differenzialdiagnostisch sind darüber hinaus auch noch weitere Filarienarten zu berücksichtigen ( Tab. 1 ). Endwirte (Karnivoren, Mensch) über- tragen. Als Vektoren sind eine Reihe von Stech- mückenarten beschrieben, die auch in Deutschland vorkommen. D. repens kann sich also durch vorhandene Erregerreser- voire (z. B. Importhunde) und Vektoren auch hierzulande verbreiten und sich als neue Zoonose etablieren. Ausbreitung und autochthone Fälle Als Verbreitungsgebiet von D. repens in Europa ist v.a. der Mittelmeerraum be- kannt. In Italien und Griechenland sind Prävalenzen bis zu 40% beschrieben. Der Parasit ist darüber hinaus aber auch in osteuropäischen Ländern weit verbreitet, beispielsweise in Ungarn mit regionalen Prävalenzen bis zu 30%. In den letzten Jahren ist ein zunehmen- der Trend festzustellen, „Tierschutzhun- de" auch aus Osteuropa nach Deutschland zu importieren. So wurden alleine von 2006 bis 2009 über 500 Hunde aus Ungarn in ein einzelnes deutsches Tierheim verbracht. Beim Screening auf Hämoparasitosen stand der Nachweis von Mikrofllarien mit einem Anteil von 12% (n = 61 Hunde) der unter- Abb. 1 Massiver subkutaner Befall mit D. repens beim Hund (Sektions- bild, Länge der adulten Würmer: 7-12 cm). © Vlasta Svobodova, Brno mit freundlicher Genehmigung. Abb. 2 Bei 507 aus Ungarn nach Deutschland importierten Hunden wur- den Mikrofllarien als zweithäufigste Hämoparasitose nachgewiesen. Bei 60 von 61 handelte es sich um D. repens. Enke Verlag | kleintier.konkret, 2011; 4: 3-8 Naucke et al., Zoonotische Nematoden-Infektionen des Hundes Parasit und Vektor Adulte Würmer von D. repens, die als Makrofilarien bezeichnet werden, para- sitieren im subkutanen Bindegewebe (Abb. 1). Weibliche Exemplare werden bis zu 17 cm lang. Nach der Paarung ent- lassen sie sog. Mikrofilarien (Larven- stadium 1), die im Blut zirkulieren und von Mücken beim Stich aufgenommen werden. Die Mücken sind als Zwischen- wirte obligatorisch - erst in ihnen erfolgt die Entwicklung zum infektiösen Larven- stadium 3. Diese infektiösen Stadien wer- den dann beim Stech-/Saugakt auf die 3