770 © 2010 Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Beton- und Stahlbetonbau 105 (2010), Heft 12
Fachthemen
DOI: 10.1002/best.201000058
Die Bestimmung des Wassergehalts und insbesondere der orts-
und zeitabhängigen Feuchteverteilung in Baustoffen hat in der
Forschung, Baustoffentwicklung, Bauwerksdiagnose und Bau-
werksüberwachung einen besonderen Stellenwert. Bei der Un-
tersuchung von Schadensursachen muss an Bauwerken in der
Regel die Baustofffeuchte mit bewertet werden, da sowohl we-
sentliche Baustoffeigenschaften als auch die Dauerhaftigkeit von
Bauwerken in entscheidendem Maße von deren Wassergehalt
abhängig sind [1]. In jüngster Zeit werden Feuchtesensoren ein-
gesetzt, um die Funktionsfähigkeit und Dauerhaftigkeit von In-
standsetzungs- bzw. Schutzmaßnahmen zu kontrollieren. Dies
soll es dem Bauherrn ermöglichen, rechtzeitig Maßnahmen
einleiten zu können, bevor Schäden infolge von Wasser- bzw.
Chloridzutritt auftreten können.
Condition Assessment with Moisture Sensors
The determination of the water content in construction materials
and in particular with regard to its depth and time dependent dis-
tribution is of high interest in the area of research, material de-
velopment and condition assessment of structures. The assess-
ment of the reason of damages mostly require to regard the mois-
ture content of structures, because the moisture content basical-
ly affects material properties and the durability of structures.
Recently moisture sensors have been used to control the func-
tionality and durability of repair and protection measures. This
enables the owner to carry out accurately timed measures to
prevent damages due to the ingress of water and chlorides.
1 Einführung
Die Bestimmung des Wassergehalts in Baustofffen kann
über direkte Methoden erfolgen, z. B. anhand von Pro-
bentrocknung mit dem Darr-Versuch. Dies ist jedoch ver-
gleichsweise aufwändig, weil Proben entnommen werden
müssen und auch immer nur ein Einzelwert zu einem be-
stimmten Zeitpunkt ermittelt wird. Eine indirekte Mög-
lichkeit, den Wassergehalt von z. B. Beton zu bestimmen,
besteht in der Messung des Elektrolytwiderstands, der
stark mit dem Wassergehalt korreliert. Die Messung des
Elektrolytwiderstands am Bauwerk ist zerstörungsfrei und
kann an derselben Stelle wiederholt werden, was auch die
Erfassung der zeitlichen Entwicklung des Wassergehalts
bzw. Feuchtezustands ermöglicht.
Die qualitative Bestimmung von Feuchteänderungen
ist anhand der zeitlichen Verläufe der Elektrolytwider-
stände anschaulich möglich. Bei quantitativen Wasserge-
haltsbestimmungen von zementösen Baustoffen mit Hilfe
der Elektrolytwiderstandsmessung müssen die jeweiligen
Abhängigkeiten von der Temperatur des Elektrolyten, des-
sen Ionenkonzentration sowie der Einfluss der Poren-
raumstruktur berücksichtigt werden. Aus diesem Grunde
werden für die quantitative Wassergehaltsbestimmung
baustoffspezifische Kalibrierkurven erstellt, die eine Re-
gression der gemessenen Elektrolytwiderstände zum vor-
handenen Wassergehalt des Baustoffs darstellen (Bild 1).
2 Messsystem Multiring-Elektrode (MRE)
Für die tiefenabhängige und kontinuierliche Messung der
Elektrolytwiderstände in zementösen Baustoffen wurde in
den 1980er Jahren am ibac der RWTH Aachen ein Sensor
entwickelt, die so genannte Multiring-Elektrode (MRE).
Diese kann sowohl in bestehenden als auch neu zu errich-
tenden Bauwerken eingesetzt werden.
Das Prinzip der Multiring-Elektrode (MRE) besteht
in der Messung des Elektrolytwiderstands zwischen je
zwei benachbarten Ring-Elektroden aus nichtrostendem
Stahl, die in unterschiedlichen Tiefen eingebaut sind.
Standardmäßig ist die MRE aus neun Ringen mit einer Di-
cke von je 2,5 mm aufgebaut, die voneinander durch
Kunststoffringe isoliert im Achsabstand von 5 mm gehal-
ten sind (Bild 2). Durch Anlegen einer Wechselspannung
zwischen jeweils zwei nebeneinander liegenden Ringen
(Ring 1 – Ring 2, 2–3, 3–4 ...) ist es möglich, ein Profil des
Feuchtesensoren in der Bauwerksüberwachung
Christian Sodeikat
0
2
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6
8
10
10 100 1.000 10.000 100.000 1.000.000
Elektrolytwiderstand [Ωm]
Wassergehalt [M.-%]
CEM I
mit Flugasche
CEM I
Bild 1. Abhängigkeit des Elektrolytwiderstands vom
Wassergehalt untersuchter Betone [2]
Fig. 1. Dependency of the electrolytic resistance on the
water content of concrete [2]