¹Thermische Zerlegung von Gas- und Flüssigkeitsgemischenª im Spiegel des GVC-Fachausschusses ± Rückblick und Ausblick WOLFGANG ARLT UND RALF GOEDECKE * Der Artikel beruht auf einem Vortrag der Autoren auf der Sitzung des Fachausschusses ¹Thermische Zerlegung von Gas- und Flüssigkeitsgemischenª, Weimar 2003. Die Bewertung der Gegenwart ist nur bei Kennt- nis der Vergangenheit möglich. Wichtige neue Entwicklun- gen auf dem Gebiet der thermischen Zerlegung von Gas- und Flüssigkeitsgemischen wurden im entsprechenden GVC-Fachausschuss vorgestellt, und dort wurde auch über die erfolgreiche technische Umsetzung berichtet. Damit ist dieser Fachausschuss ein Spiegel des Fortschritts. Er blickt auf eine langjährige erfolgreiche Historie. Die von A. EUCKEN und E. KIRSCHBAUM in den dreiûiger Jahren angestoûene Ent- wicklung wurde von vielen Menschen mit hohem persön- lichen Einsatz weitergeführt. Deshalb wird ein chrono- logisch historischer Rückblick gegeben, in dem wichtige Ereignisse und Persönlichkeiten notiert sind. Danach wer- den die Situation seit 1998 analysiert und mögliche Perspek- tiven und notwendige Entwicklungen aufgezeigt. HistorischerÜberblick Die deutsche Verfahrenstechnik ist eng mit den Namen von EMIL KIRSCHBAUM und ARNOLD EUCKEN verbunden [1]. KIRSCH- BAUM leitete bereits mit 28 Jahren den ersten verfahrens- technischen Lehrstuhl in Deutschland, das Institut für Ap- paratewesen der heutigen Universität Karlsruhe. EUCKEN war lange Zeit Leiter des Instituts für Physikalische Chemie an der Universität Göttingen. Er leitete ab 29.4.1935 die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft V erbrauchsgütertechnik, die noch im gleichen Jahr in ¹Arbeitsgemeinschaft für Ver- fahrenstechnikª umbenannt wurde. Aber auch dieser Name hatte nicht lange Bestand, bereits zwei Jahre später wurde er in den ¹Fachausschuss Verfahrenstechnikª umbenannt. Die Aktivitäten lagen in den Themengruppen ¹Wärmeaus- tauscher und Verdampferª, ¹Destillation und Rektifikationª (diese Arbeitsausschüsse hielten 1938 eine gemeinsame Ta- gung in München ab) sowie ¹Zerkleinerungstechnikª und nach dem 2.Weltkrieg zusätzlich in der Trocknungstechnik und in der mechanischen Flüssgkeitsabtrennung. E. KIRSCHBAUM leitete am 25.±27.9.1947 die ¹Destil- lier- und Rektifiziertechnikª und hielt einen Vortrag über die Rektifizierwirkung von Austauschböden und beschrieb Glockenböden und Füllkörperschüttungen mit dem Konzept der theoretischen Trennstufe. H. STAGE diskutierte auf der gleichen Tagung die bekannten Apparaturen zur Bestim- mung der Phasengleichgewichte Flüssigkeit/Dampf. Auf der gleichen Tagung in Karlsruhe wurden unter K. JAROSCHEK die ¹Wärmeaustauschapparateª getrennt behandelt. Er mahnte die bereits vorgeschlagene Herausgabe des ¹Wär- meatlasª an, ¹wirtschaftliche Erwägungen stehen im Vorder- grund, Kapital, Material und Energie müssen gespart werdenª [2]. Der Ausschuss wurde im Jahre 1948 von K. KRAUûOLD übernommen, der ihn viele Jahre leitete. Im Jahre 1948 hatte der Fachausschuss für Ver- fahrenstechnik unter Prof. E. SCHMIDT schon folgende Arbeitsausschüsse ± Verfahrenstechnische Grundlagenforschung unter A. SMEKAL ± Messwesen in der Verfahrenstechnik unter W. WILKE ± Destillier- und Rektifiziertechnik unter E. KIRSCHBAUM ± Hochtemperaturtechnik unter J. KÖRTING ± Mechanische Flüssigkeitstrennung unter Dr. S. KIEûKALT ± Wärmeaustauschapparate unter Dr. H. KRAUûOLD ± Trockungstechnik unter Dr. H. VON SYBOL ± Technische Reaktionsführung unter E. WICKE Sie tagten gemeinsam in Karlsruhe. Als Problem der Zeit wird positiv diskutiert, ob ¹Herren aus der Ostzone und Berlin zu Sitzungen der Ausschüsse eingeladen werden sollenª. 1949 übernimmt HAUSEN den Vorsitz bzw. die ¹Obmannschaftª des Arbeitsausschusses ¹Destillier- und Rektifiziertechnikª von KIRSCHBAUM wegen dessen Arbeits- überlastung. In der Beiratssitzung des Fachausschusses für Verfahrenstechnik führt A. EUCKEN aus: ¹Was die Zusam- menarbeit mit der DECHEMA anbetrifft, so wird beschlos- sen, dass RIEû (Direktor der Bayer AG, Vorsitzender des Fachausschusses) sich einmal mit FREE (damaliger Vorsit- zender der DECHEMA) unterhält, unter welchen Voraus- setzungen eine solche Zusammenarbeit auf einzelnen Fachgebieten möglich ist, beispielsweise in der Art, dass Arbeitsausschüsse wie der Arbeitsausschuss ¹Wärmetau- scher und Verdampferª vom VDI und der DECHEMA gemeinsam betreut werdenª. Wie wir heute wissen, ist die Frage von A. EUCKEN noch nicht abschlieûend beantwortet. Der Arbeitsauschuss ¹Destillier- und Rektifizier- technikª, auf den sich dieser Beitrag nun konzentriert, trifft sich 1951 in München. Im Protokoll wird angemerkt, dass STAGE zwar einen Vortrag hält, aber keine Kurzfassung ein- gereicht hat. Teilnehmer sind u.a. Prof. GRASSMANN , ETH Zürich, Prof. NUSSELT, München, Prof. NEUMANN, Hannover, ....................................................................................... * Prof.Dr.-Ing. W. ARLT (W.Arlt@vt.tu-berlin.de), Fachgebiet Thermodynamik und thermische Verfahrenstechnik der Technischen Univer- sität Berlin, D-10623 Berlin, Germany; Dr. R. GOEDECKE (ralf.goedecke@degussa.de), Leiter Fluid-Verfahrenstechnik der Degussa AG, Hanau und Marl, Germany. Gas- und Flüssigkeitsgemische 1496 Chemie Ingenieur Technik 2003, 75, No. 10  2003 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim DOI: 10.1002/cite.200303310