356 Hanna F. Pitkin Gabriele Wilde, Staatsbürgerstatus und die Privatheit der Frauen. Zum partizipatorischen Demokratiemodell von Carole Pateman, in: Brigitte Kerchner/Gabriele Wilde (Hrsg.), Staat und Privatheit. Aktuelle Studien zu einem schwierigen Verhältnis, Opladen 1997, S. 69-106. Michael Haus Hanna F. Pitkin, The Concept of Representation, Berkeley/Los Angeles 1967. Hanna Fenichel Pitkin wurde 1931 als Tochter des Psychoanalytikers Otto Fenichel in Berlin geboren. Mit ihren Eltern emigrierte sie 1933 über Prag und Norwegen in die USA, wo sie 1961 in Berkeley promovierte. Aus der Dissertation ging 1967 ihr Buch über Repräsentation hervor, das gleich nach seinem Erscheinen zu einem außerordentlichen akademischen Erfolg wurde. Pitkins Interessen liegen breit gestreut, in der europäischen politischen Theo- rie von der Antike bis zur Gegenwart, der Psychoanalyse und der Sprachphi- losophie sowie Textanalyse. Pionierarbeit leistete sie bei der Untersuchung der Rolle des Geschlechts in der politischen Ideengeschichte. Ihre wichtig- sten späteren Bücher sind „Wittgenstein and Justice” (1972), „Fortune is a Women: Gender and Politics in the Thought of Machiavelli (1984) und „The Attack of the Blob. Hannah Arendt’s Concept of the Social“ (2002). Pitkins Grundfrage in „Concept of Representation“ lautet: Was ist Rep- räsentation? Und im Anschluss daran: Wann liegt gelungene Repräsentation vor? Die Antworten auf diese Fragen gibt Pitkin nach einem systematischen Durchgang durch die politische Ideengeschichte. In einer argumentativen Auseinandersetzung mit den verschiedenen semantischen Schattierungen von „Repräsentation“ versucht sie zu einer theoretischen Synthese der unter- schiedlichen Traditionsstränge zu gelangen, die auch für moderne Demokra- tien überzeugt. Pitkin unterscheidet zwischen drei Hauptlinien des Repräsen- tationsbegriffs. Es ist schwierig, die Termini Pitkins ohne Bedeutungsverlust in die deutsche Sprache zu übertragen. Am ehesten lassen sich die drei Hauptlinien des Repräsentationsbegriffs noch folgendermaßen übersetzen: 1. formal vertreten; 2. darstellen und 3. substantiell vertreten. Repräsentation aus formalistischer Sicht bedeutet nach Pitkin die Auto- risation zum Handeln, unabhängig davon, wie diese Kompetenz erlangt wur- de. Sie ziele damit primär auf den Zurechnungs- und Verpflichtungscharakter