Germanistische Mitteilungen 43.2 | 2017 109 Henning Radke Lekker dieses namtal zu lesen. Ich hou davon. Namdeutscher Sprachgebrauch in namibischer Onlinekommunikation This study analyses the role of Namdeutsch a German-based non-standard variety spoken in Namibia which includes loanwords from Afrikaans, English and indigenous languages in computer-mediated communication (cmc). Research on Namdeutsch has so far taken mainly the historical perspective, and data on contemporary Namdeutsch are still rare. The present article bridges this gap by analyzing a cmc-based corpus consisting of 33,000 running words. The data are taken from the online edition of the Allgemeine Zeitung, Namibias only daily newspaper published entirely in German. Stylistic features of Namdeutsch usage such as compounds, identifiers and pejoratives are documented, and metalinguistic statements by authors and readers of the newspaper are analysed. The data show that Namdeutsch fulfills a double function within Namibian cmc, serving both as an in-group identifier for Nami- bian(-German) culture and as a bridge to German-speaking communities in Europe. Keywords: language contact lexical borrowing code-switching language-crossing Nami- bian German (Namdeutsch) Einleitung Namdeutsch ist eine Kontaktvarietät des Deutschen, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts in Namibia entwickelt hat. Ein typisch namdeut- sches Merkmal ist u.a. die Übernahme lexikalischer und morphosyntak- tischer Strukturen aus dem Afrikaans, dem Englischen und indigenen Sprachen. Die Kontaktsituation, in der sich Namdeutsch in Namibia be- findet, ist somit einzigartig, und daher überrascht es, dass das Namdeut- sche bis jetzt wenig Aufmerksamkeit in der Forschungsliteratur erfahren hat. Zwar existiert eine Vielzahl an Untersuchungen zum historischen Gebrauch des Deutschen in Namibia (vgl. Wiese et al. 2014: 7), jedoch gibt es bislang kaum systematische, empirisch fundierte Untersuchun- gen zum gegenwärtigen Sprachgebrauch in Peer-Group-Situationen (ebd.). Der vorliegende Artikel soll einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen. Er knüpft dabei an die drei ausführlichsten Werke zum Thema Deutsch in Nambia an, die mit Nöckler (1963), Pütz (2001) und Riehl (2002) erschienen sind (vgl. Shah 2007: 20). Nöcklers Werk bezieht sich Germanistische Mitteilungen, Volume 43 (2017), Issue 2 © 2017 Universitätsverlag WINTER GmbH Heidelberg