Verfahren. Es beschreibt, inwiefern sich Angriffe auf einzelne Nutzerinnen und Nutzer des Verfahrens zu großskaligen Angriffen auf zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer übertragen lassen – ein für Massenüberwachung durch Geheimdienste relevantes Angriffsszenario. Mary Shnayien untersucht ausgehend von der weltweiten Cyberattacke WannaCry diskursanalytisch, wie IT-Sicherheit zum Forschungsgegenstand und -feld wurde, und welche Metaphern das Feld strukturieren. Die aktuelle Debatte um das Verhältnis von Privatheit und Si- cherheit im Zeitalter digitaler Medien wird von Akteurinnen, Ak- teuren und Institutionen mit unterschiedlichsten Einsätzen, Inte- ressen und Motivationen geführt. Hierbei werden häufg Sicher- heit und Privatheit als zwei entgegengesetzte Pole desselben Spek- trums diskutiert. Von staatlicher Seite wird unter Berufung auf den Schutz vor Terror und organisierter Kriminalität zunehmend der Zugang zu verschlüsselten Daten gefordert. So schlug etwa Bundesinnenminister Horst Seehofer im Mai 2019 die Einfüh- rung einer Regelung vor, nach welcher Anbieterinnen und An- bieter Ende-zu-Ende verschlüsselter Messengerdienste gezwun- gen wären, auf richterlichen Beschluss die Kommunikation ihrer Nutzerinnen und Nutzer in unverschlüsselter Form vorzulegen. 1 * Gemäß den Auflagen der Redaktion, die sich an den Empfehlungen des Rats für Deutsche Rechtschreibung und dem Duden orientieren, wurde die von uns gewählte Form der geschlechtergerechten Sprache verändert. Entsprechend dem Stand unserer Forschung würden wir eine nicht binäre und damit ge- schlechtsneutrale Form der Sprache bevorzugen, da das durch Sprache ausge- drückte Geschlechtermodell für gesellschaftliche Machtverhältnisse sensibilisiert und diese auch verändern kann. Weiterführend zu nicht binären, geschlechts- neutralen Formulierungen siehe S_HE: „Performing the Gap. Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung“. In: arranca!, No. 28 (2003), https://arranca.org/ archive?path=%2Fausgabe%2F28%2Fperforming-the-gap [11.09.2019] sowie Margit Tavits/Efrén O. Pérez (2019): „Language influences mass opinion toward gender and LGBT equality“. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, August 2019, 116 (34) 16781-16786; DOI: 10.1073/pnas.1908156116 [11.09.2019]. 1 Constanze von Bullion/Jannis Brühl: „Seehofer will Whatsapp, Telegram & Co. zum Entschlüsseln zwingen”. In: Süddeutsche Zeitung, 24. Mai 2019, https:// Benedikt Auerbach, Mary Shnayien, Eike Kiltz, Anna Tuschling * Zwei Betrachtungen von Sicherheit und Privatheit nach Snowden Was verstehen wir heute, sechs Jahre nach den Snowden-Leaks, unter IT-Sicherheit und Privatheit in digitalen Kulturen? Dieser Frage gehen Benedikt Auerbach aus kryptographischer und Mary Shnayien aus medienwissenschaftlicher Perspektive nach. So beschäftigt sich Benedikt Auerbach mit dem Skalierungsverhalten kryptographischer Benedikt Auerbach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kryptographie und Doktorand des Forschungskollegs SecHuman. Forschungsschwerpunkte: Design und Analyse kryptographischer Protokolle, beweisbare Sicherheit. E-Mail: Benedikt.Auerbach@rub.de Mary Shnayien wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Theorie, Ästhetik und Politiken digitaler Medien an der Ruhr-Universität Bochum und Doktorandin im Forschungskolleg SecHuman. Forschungsschwerpunkte: Wissenschaftsgeschichte der IT-Sicherheit, Digitaler Kolonialismus, Queer Computing. E-Mail: Marie-Luise.Shnayien@rub.de Eike Kiltz Professor für Kryptographie, Mitglied im Research Department Horst-Görtz- Institut für IT-Sicherheit und Sprecher im Exzellenzcluster CaSa an der Ruhr- Universität Bochum sowie Principal Investigator im Forschungskolleg SecHuman. E-Mail: Eike.Kiltz@rub.de Anna Tuschling Professorin für Theorie, Ästhetik und Politiken digitaler Medien an der Ruhr-Universität Bochum sowie Principal Investigator im Forschungskolleg SecHuman. E-Mail: Anna.Tuschling@rub.de 706 DuD • Datenschutz und Datensicherheit 11 | 2019 SCHWERPUNKT